ZEW: Inklusive Betriebe wachsen schneller

Inklusive Arbeitsorganisation: Wenn Offenheit zum Wachstumsmotor wird
Unternehmen, die ihre Arbeitsorganisation erstmals gezielt für ältere Beschäftigte, Geflüchtete, Menschen mit Behinderung oder mehr Geschlechtergerechtigkeit öffnen, wachsen offenbar schneller.
Nach einer Analyse des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erzielten Betriebe, die zwischen 2020 und 2022 zum ersten Mal solche inklusiven Maßnahmen einführten, rund 6,2 Prozent mehr Umsatz und beschäftigten etwa 4,7 Prozent mehr Menschen als vergleichbare Unternehmen.
Gute Arbeit und gutes Geschäft schließen sich also nicht aus.
Wer mitzieht – und wer nicht
Grundlage des Policy Briefs von Linus Strecke, Bastian Krieger und Hanna Hottenrott sind Daten des Mannheimer Innovationspanels. Ausgewertet wurden 1.692 Unternehmen mit mindestens fünf Beschäftigten, fast neun von zehn davon kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
Knapp jedes fünfte führte mindestens eine inklusive Maßnahme ein. Am häufigsten ging es um ältere Beschäftigte (9,3 Prozent), gefolgt von der Integration von Migrant*innen und Geflüchteten (8,5 Prozent). Angebote für Menschen mit Behinderung (4,3 Prozent) und zur Gleichstellung der Geschlechter (3,1 Prozent) blieben deutlich seltener.
Kleine holen auf, Kleinste bleiben zurück
Auffällig ist das Gefälle nach Betriebsgröße. Kleine und mittlere Unternehmen ziehen bei Neueinführungen nach, Kleinstbetriebe hinken klar hinterher. Bei Maßnahmen für Ältere kamen mittlere Unternehmen auf rund elf Prozent, Mikrounternehmen auf knapp zwei. Das verarbeitende Gewerbe setzt zudem häufiger auf solche Ansätze als der Dienstleistungssektor.
Und wer selbst forscht und entwickelt, ist aktiver: Unter FuE-treibenden Firmen lag der Anteil bei knapp 23 Prozent, bei den übrigen bei knapp 17 Prozent.
Der erste Schritt zählt
Der wirtschaftliche Schub zeigt sich allerdings nur bei der erstmaligen Einführung. Für Betriebe, die entsprechende Maßnahmen schon vor 2020 oder fortlaufend umgesetzt hatten, fanden die Forschenden keinen robusten Zusammenhang.
Eine Erklärung liegt in der Anziehungskraft als Arbeitgeber: Inklusive Unternehmen seien gerade für Bewerber*innen attraktiv, die hohe berufliche Standards und ethische Ansprüche mitbringen.
Signal an Politik und Betriebe
Rahmenbedingungen, die solche Innovationen fördern, halten die Autor*innen deshalb auch wirtschaftspolitisch für empfehlenswert – mit besonderem Gewicht für KMU.
Offen bleibt, was die Maßnahmen kosten, wie intensiv sie umgesetzt wurden und wie sie mit anderen Neuerungen wie der Digitalisierung zusammenspielen.
In aller Kürze
Laut ZEW steigern Firmen, die erstmals inklusive Arbeitsmaßnahmen einführen, Umsatz um 6,2 und Beschäftigung um 4,7 Prozent. KMU holen auf, Kleinstbetriebe hinken hinterher.
VERWEISE
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