Jeder Vierte zweifelt: Neue Studie zu Arbeitsbelastung und Rentenalter

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf

Wenn zu viele Belastungen zusammenkommen: Studie zeigt Zusammenhang zwischen Arbeitsanforderungen und Ruhestandswunsch

Jeder vierte Beschäftigte in Deutschland traut sich selbst nicht zu, unter den aktuellen Arbeitsbedingungen bis zum gesetzlichen Rentenalter durchzuhalten. Diese Zahl allein wirft ein bezeichnendes Licht auf die Arbeitswelt älterer Erwerbstätiger.

Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) liefert nun genauere Hinweise darauf, welche Faktoren dabei besonders ins Gewicht fallen – und macht deutlich, dass es selten eine einzelne Belastung ist, die den Wunsch nach einem früheren Ausstieg weckt, sondern deren Häufung.

Mehrfachbelastung statt Einzelfaktor

Auf Basis der BAuA-Arbeitszeitbefragung analysierten die Forschenden, wie körperliche Anforderungen – etwa ungünstige Körperhaltungen – und psychosoziale Belastungen wie Rollenkonflikte oder Zeitdruck mit dem gewünschten Renteneintrittsalter älterer Beschäftigter zusammenhängen.

Der methodische Ansatz greift dabei einen Umstand auf, der im betrieblichen Alltag oft übersehen wird: Belastungen treten selten isoliert auf. Wer unter Zeitdruck steht, sieht sich häufig gleichzeitig mit widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert oder muss körperlich anstrengende Tätigkeiten ausführen.

Die Studie nahm deshab gezielt das gleichzeitige Auftreten mehrerer Anforderungen in den Blick – sogenannte multiple Arbeitsanforderungen.

Psychosoziale Faktoren wiegen besonders schwer

Das zentrale Ergebnis: Vor allem die Kombination mehrerer psychosozialer Anforderungen steht in Zusammenhang mit dem Wunsch nach vorzeitigem Ruhestand. Je mehr solcher Belastungsfaktoren gleichzeitig auf Beschäftigte einwirken, desto ausgeprägter fällt bei älteren Erwerbstätigen der Wunsch aus, früher aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Die gemessenen Effekte sind zwar statistisch eher klein, doch sie summieren sich zu einem Muster, das schwer zu ignorieren ist.

Für die betriebliche Praxis bedeutet das: Wer die Erwerbsfähigkeit älterer Belegschaften erhalten will, kommt an einer alters- und alternsgerechten Arbeitsgestaltung kaum vorbei. Das betrifft nicht nur ergonomische Arbeitsplätze, sondern ebenso den Umgang mit Zeitdruck, klare Rollenverteilungen und realistische Erwartungen an ältere Beschäftigte.

Wunsch ist nicht gleich Entscheidung

Eine wichtige Einschränkung liefert die Studie gleich mit: Sie erlaubt keine Aussage darüber, wann Beschäftigte tatsächlich in Rente gehen. Der Wunsch nach einem früheren Ausstieg ist ein Indiz für späteres Verhalten, mehr aber auch nicht.

Ob er sich tatsächlich realisiert, hängt von einer Reihe weiterer Faktoren ab – von den gesetzlichen Rahmenbedingungen bis zu den individuellen finanziellen Möglichkeiten. Wer sich einen früheren Ruhestand wünscht, kann ihn sich oft schlicht nicht leisten.

Die Studie liefert damit keinen Anlass zur Alarmierung, wohl aber einen klaren Hinweis darauf, wo betriebliche Prävention ansetzen sollte: bei der Reduktion gehäufter psychosozialer Belastungen, lange bevor der Renteneintritt überhaupt zum Thema wird.


In aller Kürze
Häufen sich psychosoziale Arbeitsanforderungen, wächst bei älteren Beschäftigten der Wunsch nach früherem Ruhestand. Die tatsächliche Rentenentscheidung hängt aber von weiteren Faktoren ab.


  VERWEISE  


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