Eingliederungszuschuss: Der stärkste Hebel für Arbeitslose ab 55

Ältere Arbeitslose: Förderung wirkt bei ihnen besonders stark
Wer mit 55 oder 60 Jahren den Job verliert, findet nur schwer zurück in den Arbeitsmarkt. Ältere ziehen aus den klassischen Förderinstrumenten der Arbeitslosenversicherung im Schnitt aber mehr Nutzen als Jüngere.
Zu diesem Ergebnis kommen Thomas Büttner, Torben Schewe und Gesine Stephan in einer aktuellen Auswertung für das IAB-Forum. Sie bestätigen damit frühere Analysen.
Untersucht wurden Arbeitslose, die 2024 eine Maßnahme im Rechtskreis des SGB III begonnen haben. Die Auswertung trennt dabei zwischen 25- bis 54-Jährigen und Menschen ab 55. Verglichen wurden die Geförderten mit sogenannten statistischen Zwillingen. Das sind Personen ohne Förderung, die ihnen in Merkmalen wie Alter, Geschlecht oder Ausbildung gleichen.
Betriebsnahe Instrumente vorn
Ein Jahr nach Förderbeginn waren die geförderten Älteren durchweg häufiger regulär beschäftigt als ihre Zwillinge. Den größten Vorsprung gab es beim Eingliederungszuschuss, einem befristeten Lohnkostenzuschuss für Betriebe: Er betrug 37 Prozentpunkte. Bei Maßnahmen direkt bei einem Arbeitgeber waren es 32 Prozentpunkte. Weiterbildungen brachten 17 Prozentpunkte. Angebote bei einem Träger, etwa Bewerbungstrainings oder Coachings, kamen auf 8 Prozentpunkte.
Ganz ungetrübt ist das Bild nicht. Bei betriebsnahen Instrumenten hat sich ein Unternehmen vorab für eine Person entschieden. Ein Grund dafür kann eine hohe Motivation sein, die in den Daten kaum sichtbar wird. Ob ein Betrieb auch ohne Zuschuss eingestellt hätte, lässt sich mit der verwendeten Methode nicht klären. Dasselbe gilt für die Frage, ob Geförderte andere Bewerber*innen verdrängt haben.
Die Lücke wird kleiner
Ohne Förderung hätten Jüngere deutlich häufiger wieder Arbeit gefunden als Ältere. Die Maßnahmen schließen diese Lücke zum Teil, wie eine Brücke, die nicht ganz bis ans andere Ufer reicht. Zwischen 55- bis 59-Jährigen und Menschen ab 60 unterscheiden sich die Effekte dabei kaum.
Trotzdem werden Ältere etwas seltener gefördert. Von 2016 bis 2025 sank die Förderintensität in beiden Altersgruppen. Der Abstand zwischen ihnen ist in dieser Zeit aber spürbar geschrumpft. Beim Eingliederungszuschuss fiel die Förderintensität auf 40 Prozent des Niveaus von 2016.
Kein Allheilmittel
Ältere haben mit mehr zu kämpfen als mit veraltetem Wissen. Manche Betriebe haben Vorbehalte gegen ältere Bewerber*innen. Manche Ältere erwarten einen Lohn über dem Marktniveau. Und manche überbrücken die Zeit bis zur Rente lieber mit Arbeitslosengeld.
Die Autor*innen nennen zwei mögliche Ansätze. Der erste ist die frühere Entgeltsicherung: ein Zuschuss, wenn der neue Lohn unter dem alten liegt. Der zweite sind flexiblere Übergänge in die Rente. Auch Pflichten zur Arbeitssuche könnten wirken, vorausgesetzt, es gibt genug offene Stellen. In der aktuellen Wirtschaftslage ist das keineswegs selbstverständlich.
In aller Kürze
Ältere Arbeitslose profitieren laut IAB-Forum stärker von Förderung als Jüngere, am meisten von Eingliederungszuschüssen. Die Maßnahmen verkleinern die Alterslücke, lösen aber nicht alle Hürden.
VERWEISE
Das könnte Sie auch interessieren...
Vorurteile gegenüber Älteren kosten Chancen – digitale Betriebe halten bei der Weiterbildung dagegen Wer in Betrieben über Personal entscheidet und ältere Beschäftigte für weniger leistungsfähig oder anpassungsfähig hält, stellt seltener Menschen …
Die Aktivrente: Ein Modell für den flexiblen Ruhestand Die Stabilisierung des Rentensystems erfordert angesichts des demografischen Wandels neue Ansätze, die über starre Altersgrenzen hinausgehen. In dem Beitrag »Eine Rentenreform fürs …
Demografischer Wandel am Arbeitsmarkt: Deutschland verzeichnet EU-weit höchsten Anteil älterer Erwerbstätiger Der deutsche Arbeitsmarkt weist im europäischen Vergleich die höchste Quote an älteren Beschäftigten auf. Aktuelle Daten des …
Erwerbstätigkeit im Rentenalter nimmt deutlich zu Immer mehr Menschen arbeiten auch nach dem regulären Renteneintritt weiter. Innerhalb eines Jahrzehnts ist die Erwerbstätigenquote der 65- bis 69-Jährigen in Deutschland stark gestiegen. …