Gleichstellung in der Wissenschaft: Fortschritt im Schneckentempo

Gleichstellungsmonitor 2026: Mit angezogener Handbremse zur Parität
Fast jede dritte Professur in Deutschland ist inzwischen mit einer Frau besetzt: 29,7 Prozent waren es im Jahr 2024. Das ist ein Fortschritt, aber ein zäher: 2022 lag der Anteil bei 28,0 Prozent, ein Jahr später bei 28,8 Prozent.
Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) beschreibt den Weg zur Parität in ihrem Gleichstellungsmonitor 2026 deshalb als Fahrt mit angezogener Handbremse. Die Schritte seien schlicht zu klein.
Wo die Pipeline leckt
Dabei fehlt es nicht an qualifizierten Frauen. Bei den Promotionen liegt ihr Anteil bei 46,2 Prozent, die Juniorprofessuren sind mit 50,3 Prozent sogar paritätisch besetzt. Doch schon bei den Habilitationen sackt der Wert auf 36,3 Prozent ab.
Fachleute sprechen von der »Leaky Pipeline«: einer Leitung, aus der auf dem Weg nach oben stetig Talent heraustropft. Je höher die Besoldungsgruppe, desto dünner wird die Luft für Wissenschaftlerinnen. Bei W2-Professuren beträgt ihr Anteil 30,1 Prozent, bei den bestdotierten W3-Stellen nur noch 26,1 Prozent. Zugleich sind Professorinnen überdurchschnittlich oft befristet (41,5 Prozent) oder in Teilzeit beschäftigt (39,5 Prozent).
Berufungsverfahren geben Rückenwind
Ermutigender fällt der Blick auf das Berufungsgeschehen 2025 aus. Unter den Bewerbungen auf Professuren stammten 33,0 Prozent von Frauen. Bei den Listenplätzen stieg ihr Anteil auf 40,8 Prozent, bei den Rufen auf 41,9 Prozent, bei den Ernennungen erreichte er 39,2 Prozent. Frauen schneiden im Verfahren also besser ab, als ihr Bewerbungsanteil erwarten ließe.
Die GWK wertet dies als Zeichen, dass geschlechtersensible Berufungsverfahren zunehmend greifen, angestoßen etwa durch das Professorinnenprogramm 2030 und die Selbstverpflichtung vieler Hochschulen.
Außeruniversitär: Welten zwischen den Organisationen
In den großen Forschungsorganisationen sind 36,2 Prozent des wissenschaftlichen Personals weiblich. Die Spannweite ist enorm: Die Leibniz-Gemeinschaft kommt auf 47,0 Prozent, die Fraunhofer-Gesellschaft auf 24,7 Prozent.
Noch deutlicher fällt der Kontrast in den Führungsetagen aus. Insgesamt hielten Frauen dort 2025 einen Anteil von 27,7 Prozent, nach 25,7 Prozent im Vorjahr. Max-Planck (35,5 Prozent) und Leibniz (35,4 Prozent) liegen vorn, Fraunhofer bleibt mit 10,1 Prozent nahezu unverändert weit zurück. Bei den 168 neu besetzten Führungspositionen zogen allerdings zu 53,0 Prozent Frauen ein.
Bund und Länder verfolgen das Ziel, bis 2030 Parität zu erreichen. Dafür braucht es nach Einschätzung der GWK mehr als Statistik: verlässliche Beschäftigungsperspektiven, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und einen echten Kulturwandel in den Einrichtungen.
In aller Kürze
Der Frauenanteil an Professuren steigt 2024 auf 29,7 Prozent – zu langsam. Bei Berufungen holen Frauen auf, doch auf dem Weg nach oben gehen weiter viele verloren.
VERWEISE
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