Milliardenrendite: Was internationale Studierende Deutschland wirtschaftlich bringen

Themenkreis Studium und Lehre

Wie lange internationale Studierende in Deutschland bleiben

Nach dem letzten Prüfungstermin steht für viele internationale Studierende eine folgenreiche Entscheidung an: Koffer packen und zurück in die Heimat oder eine Stelle in Deutschland suchen? Wie diese Entscheidung in der Breite ausfällt, war bislang nur ungefähr bekannt.

Ein neues Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) liefert nun erstmals belastbare Zahlen: Rund 34 Prozent eines internationalen Studienanfängerjahrgangs bleiben demnach bis zum Renteneintritt als Fachkräfte im Land.

Hintergrund der Untersuchung ist der wachsende Fachkräftebedarf einer alternden Gesellschaft. Weil sich die Zuwanderung fertig ausgebildeter Fachkräfte aus Drittstaaten kaum beliebig steigern lässt, rückt die Ausbildung junger Menschen aus dem Ausland stärker in den Blick der Fachkräftesicherung.

Wie groß der wirtschaftliche Nutzen tatsächlich ausfällt, hängt jedoch entscheidend davon ab, wie viele der einst internationalen Studierenden über ihren Abschluss hinaus im Land bleiben – und genau hier klaffte bislang eine Erkenntnislücke.

Von der Einreise zum Abschluss

Von den 116.600 internationalen Studienanfängerinnen und Studienanfängern des Jahres 2023 verfolgten 81.800 eine Abschlussabsicht, der Rest kam überwiegend im Rahmen von Austauschprogrammen ohne Abschlussziel.

Innerhalb der ersten drei Semester bricht rund ein Neuntel dieser Gruppe das Studium ab, über den gesamten Studienverlauf dürften es zwischen einem Viertel und dreißig Prozent sein. Von den neun Jahre nach Einreise noch in Deutschland lebenden 59 Prozent erreichen laut Auswertung des Mikrozensus rund drei Viertel tatsächlich einen Hochschulabschluss.

Rechnerisch stehen damit etwa 45 Prozent eines Anfängerjahrgangs mit Abschlussabsicht dem deutschen Arbeitsmarkt als akademisch qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung. Ein bislang unbekannter Teil davon wandert im weiteren Erwerbsleben noch ab – der neuen Auswertung zufolge etwa ein Viertel.

Übrig bleiben rund 34 Prozent der ursprünglichen Studienanfängerinnen und Studienanfänger, die dauerhaft, bis zum Renteneintritt, als Akademikerinnen und Akademiker in Deutschland wirken.

Milliardenschwerer Beitrag für den Staat

Auf dieser Grundlage beziffert das IW den wirtschaftlichen Beitrag des Studienjahrgangs 2023 auf rund 127 Milliarden Euro Wertschöpfung über das gesamte Erwerbsleben hinweg. Für die öffentlichen Haushalte ergibt sich ein langfristiger Überschuss von etwa 23,1 Milliarden Euro. Schon zwei Jahre nach dem Studienabschluss übersteigt die Summe der gezahlten Steuern und Sozialabgaben den Wert der zuvor erhaltenen staatlichen Leistungen – einschließlich der weitgehend gebührenfreien Studienplätze.

Die Studienautoren leiten daraus eine klare Empfehlung ab: Weil sich die Ausbildung internationaler Studierender finanziell lohne, sollten bestehende Studienkapazitäten gesichert und zusätzliche Plätze geschaffen werden. Ebenso wichtig seien Investitionen in Studienvorbereitung, Sprachförderung und Begleitung während des Studiums sowie gezielte Maßnahmen gegen Studienabbrüche.


In aller Kürze
Neue IW-Berechnungen zeigen: 34 Prozent internationaler Studienanfänger bleiben dauerhaft als Fachkräfte in Deutschland – ihre Ausbildung erwirtschaftet für den Staat rund 23 Milliarden Euro Überschuss.


  VERWEISE  


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