Digitale Lernstrategien im Realitätscheck

Themenkreis Studium und Lehre

Personalisiertes Lernen im KI-Zeitalter: Strategie hinkt Anspruch hinterher

Fast alle deutschen Hochschulen halten die Vorbereitung ihrer Studierenden auf eine KI-geprägte Arbeitswelt für strategisch bedeutsam. 95 Prozent der befragten Vizepräsident*innen und Prorektor*innen für Lehre stufen dieses Ziel als wichtig oder sehr wichtig ein.

Das zeigt der neue Blickpunkt »Personalisiertes Lernen im KI-Zeitalter« des Hochschulforums Digitalisierung (HFD), für den zwischen Mitte Mai und Ende Juni 2026 rund 120 Hochschulleitungen zum Stand ihrer digitalen Lernstrategien befragt wurden.

KI überholt Blended Learning

Während Blended Learning jahrelang als zentrales Zukunftsthema der Hochschullehre galt, hat generative KI diesem Format inzwischen den Rang abgelaufen. 94 Prozent der Hochschulen bewerten die Integration von KI in Lehrveranstaltungen als strategisch relevant, bei Blended Learning sind es 87 Prozent.

Individualisierung und Flexibilisierung des Lernens werden dagegen seltener als »sehr wichtig« eingestuft – an jeweils gut einem Drittel der Hochschulen.

Umsetzung bleibt zurück

Zwischen Anspruch und gelebter Praxis klafft eine Lücke. Adaptive Lernumgebungen, die Lerninhalte automatisch an individuelle Bedürfnisse anpassen, sind erst an 14 Prozent der Hochschulen weit verbreitet. KI-gestützte Lernassistenten für das Selbststudium haben es dagegen bereits an 53 Prozent der Einrichtungen in die Umsetzung geschafft, wenngleich vielerorts nur im Pilotbetrieb.

Auch bei Learning Analytics zeigt sich Zurückhaltung: 43 Prozent der Hochschulen stellen entsprechende Infrastrukturen für personalisiertes Feedback bereit, doch nur 15 Prozent setzen KI systematisch zur Auswertung von Lerndaten ein.

Die Studienautorinnen führen dies unter anderem auf ungeklärte Fragen bei Datenschutz und Zweckbindung zurück, wie sie etwa ein Rechtsgutachten für hessische Hochschulen aufgezeigt habe.

Größe der Hochschulen spielt eine Rolle

Kleinere Hochschulen mit unter 1.000 Studierenden zählen überproportional häufig zu den »Zurückhaltenden«, während größere Einrichtungen beim Einsatz von KI-Chatbots und Learning Analytics tendenziell weiter fortgeschritten sind.

Als treibende Faktoren für strategische Entscheidungen nannten die Hochschulleitungen vor allem verfügbare Ressourcen, rechtliche Vorgaben sowie Rückmeldungen von Lehrenden und Studierenden.


In aller Kürze
HFD-Studie zeigt: 95 % der Hochschulen sehen KI-Vorbereitung als strategisch wichtig, doch adaptive Lernumgebungen sind erst an 14 % weit verbreitet – Umsetzung hinkt der Relevanz hinterher.


  VERWEISE  


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