Schulleitungsstudie 2026: Zwischen Überlastung und Aufbruch

Gut gedacht, schwer gemacht: Schulleitungen unter Reformdruck
Schulleitungen in Deutschland arbeiten seit Jahren am Anschlag – und nun rollt eine Reformwelle auf sie zu. Das ist der Kern der vierten Cornelsen Schulleitungsstudie des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS).
Ganztag, Startchancen-Programm und Digitalpakt 2.0 finden breite Zustimmung. Wo jedoch mehrere Programme zugleich anlaufen, wächst die Arbeitswoche um rund sieben Stunden.
Viel Arbeit, wenig Luft
Im Frühjahr 2026 füllten 2.066 Schulleiter*innen den Onlinefragebogen aus, 1.819 an allgemeinbildenden und 247 an beruflichen Schulen. An allgemeinbildenden Schulen kommen die Leitungen im Schnitt auf 48,5 Wochenstunden – ein seit 2023 erstaunlich stabiler Wert. 94 Prozent erleben wachsende Aufgaben ohne Entlastung, 83 Prozent fühlen sich von Bürokratie ausgebremst.
Nur jede achte Leitung hat genug Zeit für die zentralen Themen. Besonders eng wird es an Grundschulen, die beim Ganztag nachsteuern müssen und zugleich am Startchancen-Programm teilnehmen: Dort summiert sich die Woche auf 52,3 statt 45,1 Stunden.
Dazu kommt ein Personalmangel, der weit über das Kollegium hinausreicht. Jeweils rund die Hälfte der allgemeinbildenden Schulen meldet Lücken bei Lehrkräften, IT-Fachleuten und Schulsozialarbeit.
Gute Ideen, holprige Umsetzung
Den seit dem Schuljahr 2026/27 geltenden Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung sehen 85,5 Prozent der Leitungen mit Anpassungsbedarf vor allem als Betreuung, kaum als Bildung.
Das Startchancen-Programm halten 93 Prozent der allgemeinbildenden Schulen für sinnvoll. Dass sich der Anteil der Kinder unter den Mindeststandards an der eigenen Schule weitgehend halbieren lässt, glaubt aber nur gut ein Drittel der Programmschulen.
Beim Digitalpakt 2.0 hakt es weniger an Geräten als an dauerhafter Finanzierung (78 Prozent) und Fortbildung (71 Prozent).
KI rückt nach vorn
Künstliche Intelligenz hat binnen anderthalb Jahren an Gewicht gewonnen: Ein Viertel der Leitungen allgemeinbildender Schulen zählt sie zu den fünf wichtigsten Themen, an beruflichen Schulen steht sie mit 51 Prozent sogar ganz oben.
Bei privaten Smartphones ist das Votum klar – 96 Prozent befürworten ein Verbot im Unterricht.
Entlastung als Hebel
Region oder soziale Lage erklären die Stimmung kaum noch, sobald die Belastung einberechnet wird. Den Ausschlag geben Arbeitsdruck und Personalmangel.
Knapp 40 Prozent der Leitungen sind derzeit zufrieden, fast die Hälfte blickt zuversichtlich nach vorn. Wer Reformen zum Erfolg führen will, muss also zuerst jene entlasten, die sie tragen sollen.
In aller Kürze
Die Cornelsen Schulleitungsstudie 2026 zeichnet ein klares Bild: Schulleitungen begrüßen Ganztag, Startchancen und Digitalpakt, sind aber überlastet. Wo Programme zusammentreffen, wächst die Woche um rund sieben Stunden.
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