Wachablösung mit Ansage: Hochschulen vor dem großen Generationenwechsel

Generationenwechsel an Hochschulen: Risiko und Chance zugleich
An Deutschlands Hochschulen steht ein Personalwechsel bevor, der weit über das bloße Nachbesetzen von Stellen hinausgeht. Rund 70 Prozent der Rektor*innen und Präsident*innen sind 55 Jahre oder älter, bei den Vizes sind es rund 55 Prozent. Auch in Verwaltung, Bibliotheken und Technik steuert ein großer Teil der Beschäftigten auf den Ruhestand zu.
Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat diesen Übergang erstmals auf breiter Datenbasis untersucht, mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes und einer bundesweiten Befragung von Kanzler*innen.
Wenn Wissen in Rente geht
Die größte Gefahr ist schwer zu sehen. Viele Ausscheidende kennen Abläufe, Sonderregelungen und Eigenheiten ihrer Hochschule seit Jahrzehnten, aufgeschrieben ist davon oft wenig.
Gehen mehrere Erfahrene kurz nacheinander, reißt der Faden. Längere Vakanzen und fehlende Übergaben belasten die verbleibenden Teams. Service und Qualität können leiden, und für strategische Aufgaben bleibt weniger Zeit.
Rund drei Viertel der befragten Kanzler*innen rechnen damit, dass der demografische Druck vor allem das nicht-wissenschaftliche Personal trifft.
Ungleich verteilte Lasten
Am höchsten ist der Anteil Älterer in den Bibliotheken, wo 36 Prozent über 55 Jahre alt sind, dicht gefolgt von der Technik mit 34,6 Prozent.
Staatliche und kirchliche Hochschulen trifft es härter als private, westdeutsche Länder stärker als ostdeutsche: In Bremen sind 47,2 Prozent der Beschäftigten in Verwaltung, Bibliothek und Technik 50 Jahre oder älter.
Erschwerend kommt hinzu, dass Hochschulen im Wettbewerb um Fachkräfte oft schlechte Karten haben. Tarifstrukturen und Haushaltskürzungen bremsen die Nachbesetzung, gerade in IT, Bau oder Beschaffung.
Ein Fenster für den Umbau
Zugleich öffnet der Generationenwechsel ein Fenster. Statt jede Stelle eins zu eins nachzubesetzen, lassen sich Aufgaben und Profile neu zuschneiden, etwa mit Blick auf Digitalisierung und KI, die Tätigkeiten verändern oder ganz entfallen lassen können.
Für einen geordneten Übergang empfehlen die Autorinnen Sigrun Nickel und Anna-Lena Thiele ein laufendes Monitoring der Altersstruktur und eine vorausschauende Nachfolgeplanung. Hinzu kommen strukturierte Übergaben mit Checklisten, Mentoring und möglichst überlappenden Phasen.
Flexible Wege in den Ruhestand wie Flexi- oder Aktivrente könnten Engpässe abfedern; 60,5 Prozent der Kanzler*innen halten sie für hilfreich. An der Spitze wiederum sollten Hochschulen jüngere Professor*innen früher an Leitungsaufgaben heranführen, denn unter 40-Jährige spielen dort bislang kaum eine Rolle.
In aller Kürze
Viele Hochschulleitungen und Beschäftigte in Verwaltung, Bibliothek und Technik gehen bald in Rente. Das CHE rät, den Wechsel für einen Umbau zu nutzen und Wissen gezielt zu sichern.
VERWEISE
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