Nach den Babyboomern: Der demografische Wandel geht in die nächste Phase

Themenkreis Demografie und Alternde Belegschaften

Die Rente ist nur der Anfang: Deutschlands langer Alterungsprozess

Der demografische Wandel ist mit dem Renteneintritt der Babyboomer nicht abgeschlossen.

Eine Analyse des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung blickt über 2030 hinaus – und zeigt, dass die Alterung der geburtenstarken Jahrgänge Wohnungsmärkte, Unternehmensnachfolgen und Pflegestrukturen noch Jahrzehnte prägen wird.

Ausgangspunkt ist der Rekordjahrgang 1964 mit 1.357.304 Geburten – 2024 waren es mit 677.117 nur noch knapp halb so viele. Bis 2039 erreichen mehr als 13 Millionen Menschen das Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Dem Arbeitsmarkt gehen damit erfahrene Fachkräfte verloren, während die Rentenausgaben steigen.

Große regionale Unterschiede

Regional fällt die Alterung höchst unterschiedlich aus. 2024 reichte der Anteil der Menschen im Ruhestandsalter von 16 Prozent in Hamburg bis 25,3 Prozent in Sachsen-Anhalt – Folge jahrzehntelanger Abwanderung Jüngerer aus strukturschwachen, oft ostdeutschen Regionen.

Bis 2045 steigt der Anteil überall, in den ostdeutschen Flächenländern auf rund 30 Prozent.

Zwei gegenläufige Entwicklungen

Unter der Oberfläche verlaufen zwei Linien in entgegengesetzte Richtungen. Die Zahl der aktiven Älteren zwischen 67 und 79 Jahren wächst mit der Verrentung der Babyboomer zunächst, schrumpft dann wieder, sobald diese Generation ab Mitte der 2030er hochaltrig wird.

Die Zahl der über 79-Jährigen sinkt kurzfristig – bis 2027 um rund 260.000 –, weil derzeit geburtenschwache Kriegsjahrgänge dieses Alter erreichen. Ab den 2030ern steigt sie fast überall wieder deutlich.

Das Paradox der jungen Regionen

Ein weiterer Befund mutet paradox an: Die absolute Zahl älterer Menschen wächst besonders dort, wo ihr Anteil vergleichsweise gering bleibt. Hamburg, Berlin, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen müssen sich auf einen kräftigen Zuwachs einstellen, weil hier viele Babyboomer stehen – anhaltender Zuzug hält den Anteil dennoch niedrig.

In Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern fällt der Zuwachs moderater aus, trifft aber auf eine schrumpfende Bevölkerung, sodass der Anteil dort stärker steigt.

Der Osten als demografischer Vorreiter

Auf Kreisebene öffnet sich die Schere weiter: 2024 reichte der Seniorenanteil von 14 Prozent in Frankfurt am Main bis 31,2 Prozent in Suhl.

Was westdeutsche Regionen noch erwartet, haben ostdeutsche Kommunen bereits durchlaufen – im ländlichen Westen steigt die Zahl der Hochaltrigen ab Mitte der 2030er fast doppelt so stark wie im Osten.

Vier Handlungsfelder

Die Studie benennt vier Ansatzpunkte: Kommunen sollten das Engagementpotenzial fitter Neurentnerinnen erschließen. Unternehmen seien gefordert, mit flexiblen Modellen »Silver Work« zu ermöglichen – die 2026 eingeführte Aktivrente setzt Anreize.

Der Rückgang der Hochaltrigenzahlen dürfe nicht als Trendwende missverstanden werden; Pflegekapazitäten und altersgerechter Wohnraum müssten frühzeitig ausgebaut werden. Und es brauche Austausch zwischen Ost und West, da ostdeutsche Regionen bereits einen Erfahrungsvorsprung haben.


In aller Kürze
Die Alterung endet nicht mit den Babyboomer-Renten: Bis 2045 steigt der Seniorenanteil überall, absolut wächst er aber vor allem in wirtschaftsstarken, jungen Ländern – während der Osten Vorreiter bleibt.


  VERWEISE  


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