Situation der Privatdozent*innen in Deutschland

Themenkreis Studium und Lehre

Habilitiert, hochqualifiziert – und oft ohne Netz

Wer in Deutschland habilitiert ist, hat die höchste akademische Prüfung bestanden. Eine sichere Stelle folgt daraus nicht. Für die prekäre Lage vieler Privatdozent*innen sieht die Bundesregierung allerdings kaum Handlungsbedarf.

Das geht aus ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Viele Fragen, wenige Antworten

Die Grünen hatten ein ganzes Bündel an Problemen aufgelistet: Lehre ohne Bezahlung, um die Lehrbefugnis nicht zu verlieren, ausgeschöpfte Befristungszeiten nach dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz, Hürden bei der Einwerbung eigener Forschungsmittel und Lücken in der sozialen Absicherung.

Auf die meisten Fragen fällt die Antwort knapp aus: Erkenntnisse lägen nicht vor. Das gilt für die Zahl der Privatdozent*innen, die unbezahlt lehren, ebenso wie für deren Absicherung in Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung zwischen zwei Anstellungen.

Die amtliche Statistik hilft nur bedingt weiter. Sie erfasst Privatdozent*innen und außerplanmäßige Professor*innen lediglich, wenn sie nebenberuflich an einer Hochschule lehren. 2024 waren das 7.246 Personen, darunter 1.670 Frauen; 2015 lag die Zahl bei 6.856.

Über die tatsächliche Beschäftigungssituation nach der Habilitation sagen diese Daten nach Einschätzung der Regierung nichts aus. Eine Ausweitung der Statistik sei nicht geplant.

Titellehre bleibt Ländersache

Zur sogenannten Titellehre, also unentgeltlichen Lehrveranstaltungen zum Erhalt der Lehrbefugnis, äußert sich die Regierung nicht direkt. Sie verweist auf den »Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken«, über den Bund und Länder jährlich rund vier Milliarden Euro an die Hochschulen geben. Gesetzgeberische Schritte zur sozialen Absicherung plane sie nicht, da diese vom Rechtsverhältnis zur jeweiligen Hochschule abhänge.

Auch eigene Förderinstrumente für die Phase zwischen Habilitation und erster Berufung hält die Regierung für überflüssig. Mit der Habilitation sei die Berufungsfähigkeit belegt; über Berufungen entschieden allein die Hochschulen. Stattdessen nennt sie bestehende Programme, etwa das Heisenberg-Programm und die »Eigene Stelle« der DFG, das Feodor Lynen-Stipendium der Humboldt-Stiftung oder Angebote außeruniversitärer Forschungseinrichtungen.

Das Netzwerk »PD Prekär« hatte im Oktober 2025 in einem offenen Brief eine Reform gefordert. Die Regierung kennt das Schreiben, zieht daraus aber keine eigenen Schlüsse.


In aller Kürze
Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf für Privatdozent*innen: Zu unbezahlter Lehre und Absicherungslücken fehlen ihr Daten, neue Förderinstrumente lehnt sie ab.


  VERWEISE  


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