Krisenfest statt gut bezahlt? Studierende setzen auf Jobsicherheit

Warum Studierende vor allem einen sicheren Arbeitsplatz suchen
Wer kurz vor dem Studienabschluss steht, fragt bei der Jobsuche zuerst nach Beständigkeit. 52 Prozent der Studierenden nennen Jobsicherheit als entscheidendes Kriterium für die Wahl des Arbeitgebers – zehn Prozentpunkte mehr als 2024. Gehalt (43 Prozent) und flexible Arbeitszeiten (41 Prozent) folgen mit Abstand.
So das Ergebnis der aktuellen EY-Studierendenstudie, für die im Frühjahr 2026 mehr als 2.000 Studierende befragt wurden. Frauen legen mit 57 Prozent spürbar mehr Wert auf einen krisenfesten Job als Männer mit 47 Prozent. Und 77 Prozent ziehen eine Anstellung der Selbstständigkeit vor.
Antwort auf unruhige Zeiten
Bequemlichkeit sei das nicht, betont Jan-Rainer Hinz, Leiter Personal und Unternehmenskultur bei EY. Die Wirtschaft schwächle seit Jahren, Unternehmen stellten zögerlicher ein, Einstiegsstellen würden knapper. Selbst ein guter Abschluss garantiere heute keinen Job mehr. Seine Kollegin Nicole Dietl, Partnerin Assurance und Talent Leaderin, hält den Wunsch nach Stabilität für verständlich, warnt aber davor, ihn zum einzigen Maßstab zu machen: Wer nur den vermeintlich sichersten Weg wähle, verpasse womöglich Chancen zur Entwicklung. Arbeitgeber sollten daher mehr bieten als Sicherheit.
Aufschlussreich ist der Blick auf jene, die sich selbst als »exzellent« einschätzen: Für sie zählen Jobsicherheit (35 Prozent) und Gehalt (33 Prozent) deutlich weniger, selbstständiges Arbeiten und Homeoffice dafür mehr.
Mehr Geld auf dem Papier, weniger Kaufkraft
Im Schnitt rechnen Studierende mit 44.500 Euro Einstiegsgehalt – 1,8 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Der Vergleich mit 2016 rückt das zurecht: Damals lag die Erwartung bei 42.400 Euro, inflationsbereinigt heute rund 56.000 Euro. Real sind die Ansprüche also deutlich gesunken.
Männer kalkulieren mit 47.500 Euro, Frauen mit 42.200 Euro. Angehende Jurist*innen erwarten fast 50.000 Euro, Kulturwissenschaftler*innen kaum mehr als 30.000 Euro. Hinz rät, beim Einstieg nicht nur aufs erste Gehalt, sondern auch auf Aufstiegschancen zu achten.
IT vorn, öffentlicher Dienst verliert
Als attraktivste Branche gilt die IT (26 Prozent). Dahinter folgt der Öffentliche Dienst mit 17 Prozent – ein Minus von sieben Prozentpunkten. Auch Wissenschaft und Automobilbranche büßen an Reiz ein, Schlusslichter sind Transport und Logistik sowie der Handel.
Allzu große Hoffnungen dämpft Dietl allerdings: Auch in der IT sänken die Neueinstellungen, einen echten Aufwärtstrend bei MINT-Berufen gebe es derzeit nicht.
In aller Kürze
52 Prozent der Studierenden stellen Jobsicherheit bei der Arbeitgeberwahl an erste Stelle. Das erwartete Einstiegsgehalt liegt bei 44.500 Euro – real weniger als 2016. Die IT ist die beliebteste Branche.
VERWEISE
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