PISA 2025: Ein Drittel in Deutschland ohne Basiskompetenzen - Schweiz und Österreich ziehen davon

Themenkreis Weiterbildung und Lernen

Historischer Tiefstand: PISA 2025 zeigt Deutschlands Schulen in der Krise

Die 15-Jährigen in Deutschland haben in der neuen PISA-Studie so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor.

Am 08.09.2026 stellte die OECD in Berlin die Ergebnisse der neunten Erhebungsrunde vor, an der weltweit mehr als 760.000 Schüler*innen aus 91 Ländern und Volkswirtschaften teilnahmen, in Deutschland rund 6.700.

Das Resultat für die Bundesrepublik fällt ernüchternd aus: In allen drei Kernbereichen – Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik – wurden die niedrigsten Werte seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2000 gemessen.

Naturwissenschaften erstmals unter dem OECD-Schnitt

Im Zentrum von PISA 2025 standen die Naturwissenschaften, die diesmal den Schwerpunkt der Untersuchung bildeten. Deutschland kommt hier auf 486 Punkte – sechs weniger als 2022 und erstmals seit 2006 nicht mehr signifikant über dem OECD-Durchschnitt.

Noch deutlicher fällt der Absturz im Langzeitvergleich aus: Vor gut zehn Jahren lag der Wert noch über 500 Punkten. Da 20 bis 30 PISA-Punkte etwa einem Lernjahr entsprechen, wiegt der Rückgang schwer.

Sorgenkind Lesen

Auch in Lesekompetenz und Mathematik bewegt sich Deutschland nur noch im OECD-Mittelfeld. Beim Lesen sank der Wert gegenüber 2022 um 15 Punkte auf 465, in Mathematik um 11 Punkte auf 464.

Während 2022 vor allem die Mathematikleistungen im Fokus standen, gilt diesmal das Lesen als eigentliches Sorgenkind – ein Trend, der sich in vielen OECD-Staaten ähnlich zeigt, in Deutschland aber besonders ausgeprägt ausfällt.

Mädchen liegen hierzulande im Lesen 25 Punkte vor den Jungen, in Mathematik dagegen 11 Punkte zurück – ein Muster, das sich fast deckungsgleich im OECD-Durchschnitt wiederfindet.

Basiskompetenzen fehlen einem Drittel

Besorgniserregend ist vor allem die wachsende Gruppe junger Menschen ohne grundlegende Fähigkeiten. In den Naturwissenschaften erreicht etwa ein Viertel der getesteten Jugendlichen in Deutschland nicht das Mindestniveau, in Lesen und Mathematik ist es rund ein Drittel.

Gleichzeitig schrumpft die Spitzengruppe: Der Anteil der Schüler*innen mit besonders hohen Kompetenzen liegt in allen drei Bereichen inzwischen unter zehn Prozent.

Studienleiter Samuel Greiff von der Technischen Universität München bezeichnete die Werte als historisch niedrige Kompetenzstände, wollte sie aber nicht vorschnell mit dem PISA-Schock von 2001 gleichsetzen. Als Ursachen nannte er veränderte Lernvoraussetzungen und eine zunehmend heterogene Schülerschaft, als zentrale Stellschrauben frühkindliche Bildung sowie eine stärker datengestützte Unterrichtsentwicklung.

Nachbarn schneiden besser ab, Asien bleibt Spitzenreiter

Im europäischen Vergleich fällt Deutschland hinter seine Nachbarn zurück: Sowohl die Schweiz als auch Österreich erzielen in allen drei Testbereichen überdurchschnittliche Werte. Europas Spitzenreiter bleibt Estland, auch Finnland und das Vereinigte Königreich zählen zu den stärkeren Systemen.

Weltweit liegt die Spitze weiterhin in Ostasien: Die chinesischen Regionen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang erreichen in Naturwissenschaften 597 und in Mathematik sogar 612 Punkte, in Singapur werden im Lesen 535 Punkte gemessen. Auch mehrere OECD-Staaten mit ähnlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen wie Deutschland schneiden merklich besser ab.

Neue Testbereiche, alte Ungleichheiten

Erstmals erhoben wurde 2025 zudem modellbasiertes Problemlösen mit digitalen Werkzeugen wie Algorithmen und Simulationen. Hier liegt Deutschland zwar im OECD-Durchschnitt, aber deutlich über dem EU-Schnitt – einer der wenigen Lichtblicke der Erhebung. Zusätzlich wurden erstmals Fremdsprachenkenntnisse in Englisch sowie Kompetenzen im digitalen Lernen erfasst; diese Ergebnisse sollen in den kommenden Monaten folgen.

Unverändert bleibt dagegen der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg: Wie schon in früheren PISA-Runden hängen die Chancen von Jugendlichen in Deutschland stark davon ab, aus welchem sozioökonomischen Umfeld sie stammen und ob in der Familie eine Migrationsgeschichte vorliegt – ein strukturelles Problem, das die neue Studie erneut in den Mittelpunkt der Bildungsdebatte rückt. 

Weitere Informationen
Der deutsche Teil der Studie wird im Auftrag der Kultusministerkonferenz und des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der TUM geleitet, an dem neben der TUM das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und das Forschungsdatenzentrum (FDZ) am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) beteiligt sind.

Die Testergebnisse in Fremdsprachenkompetenz Englisch sowie weitere Ergebnisse aus dem Bereich »Lernen in der digitalen Welt« werden derzeit ausgewertet und 2027 veröffentlicht.


In aller Kürze
PISA 2025: Deutschlands 15-Jährige erzielen historische Tiefstwerte in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften – ein Drittel verfehlt Basiskompetenzen, soziale Herkunft bleibt entscheidend.


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