
Demografische Welle rollt durch die Schulstufen
Deutschlands Schulen erreichen den Scheitelpunkt früher als erwartet.
Laut der neuen Vorausberechnung der Bildungsministerkonferenz steigt die Zahl der Schüler*innen an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen nur noch bis 2029, von rund 11,27 auf etwa 11,54 Millionen. Danach kippt die Kurve: 2040 dürften es rund 10,58 Millionen sein, knapp 694.000 oder 6,2 Prozent weniger als 2025.
Die Wende kommt drei Jahre früher
Im Vorjahr war der Höchststand noch für 2032 erwartet worden. Für 2040 liegt die neue Rechnung nun rund 677.000 unter der alten.
Ausschlaggebend sind die seit 2021 deutlich sinkenden Geburtenzahlen, die inzwischen umfassender in die Bevölkerungsvorausberechnungen der Länder eingeflossen sind. 2025 kamen nach vorläufigen Angaben rund 654.300 Kinder zur Welt, so wenige wie seit 1946 nicht mehr.
Eine Prophezeiung ist das allerdings nicht. Die Status-quo-Modellrechnung zeigt, was geschähe, wenn Demografie und Übergangsverhalten blieben, wie sie sind. Für die nächsten Jahre gilt sie als recht belastbar, denn diese Jahrgänge sind längst geboren.
Für 2040 hängt dagegen viel von Annahmen zu Geburten, Migration und Bildungsverhalten ab – ein Planungssignal also, keine Vorhersage.
Ost und West driften auseinander
In den westdeutschen Flächenländern wächst die Schülerschaft bis 2029 zunächst um 3,4 Prozent und liegt 2040 dann 3,6 Prozent unter dem Stand von 2025. Auf die ostdeutschen Flächenländer kommt bis 2040 ein Minus von rund 21 Prozent zu. In den Stadtstaaten folgt auf einen leichten Anstieg bis 2028 ein Rückgang um 5,3 Prozent.
Zugleich wandert die demografische Welle durch die Schulstufen: Die Primarstufe schrumpft bis 2040 um 14,8 Prozent, die Sekundarstufe I legt bis 2031 noch um 8,3 Prozent zu. Die Sekundarstufe II erreicht ihren Gipfel erst 2035, die beruflichen Schulen wachsen bis Mitte der 2030er-Jahre.
Die Zahl der Abgehenden ohne Ersten Schulabschluss steigt bis 2032 auf rund 68.200 und sinkt bis 2040 auf etwa 59.600. Viele von ihnen erwerben jedoch einen landesrechtlich geregelten Förderschulabschluss oder holen den Abschluss später an beruflichen Schulen nach.
Planen, wo der Bedarf entsteht
BMK-Präsidentin Anna Stolz, bayerische Kultusministerin, verweist auf das Nebeneinander: Mancherorts sänken die Zahlen bereits, andernorts stiegen sie noch über Jahre. Es gelte daher genau hinzuschauen, wann und wo Lehrkräfte, Räume und Bildungsangebote gebraucht würden.
In aller Kürze
Die Schülerzahlen erreichen 2029 ihren Höchststand, bis 2040 sinken sie um 6,2 Prozent. Hauptursache sind die sinkenden Geburtenzahlen; besonders stark trifft der Rückgang Ostdeutschland.
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