Arbeitsunterbrechung beeinflusst ältere Personen stärker

IfADO

Im Arbeitsalltag werden Menschen häufig bei ihren Aufgaben unterbrochen. Nachdem zum Beispiel das Telefon geklingelt hat, fällt es schwer, sich wieder auf die ursprüngliche Aufgabe zu konzentrieren.

Die Auswahl von Arbeitsgedächtnisinhalten ist nach einer Unterbrechung beeinträchtigt. Beobachtungen zeigen, dass das Leistungsdefizit nach solchen Aufgabenunterbrechungen bei älteren Personen oft größer ist. Mit Hilfe von EEG-Auswertungen haben Forschende des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung die Aufmerksamkeitsselektion bei der Wiederaufnahme der primären Aufgaben bei jüngeren und älteren Personen genauer untersucht.

Der nachteilige Effekt der Unterbrechung zeigte sich in beiden Altersgruppen. Während jüngere Personen jedoch stärker von einer hoch als von einer niedrig anspruchsvollen Unterbrechung betroffen waren, trat das Leistungsdefizit bei den älteren unabhängig von den kognitiven Anforderungen der Unterbrechungsaufgabe auf. Ältere Menschen werden also immer von einer Unterbrechung beeinflusst.

Unterbrechung beeinträchtigt jüngere und ältere Personen unterschiedlich

Eine Arbeitsunterbrechung erfordert jedes Mal die Reaktivierung von primären Aufgabeninformationen im Arbeitsgedächtnis. Der Umgang mit irrelevanten Informationen lässt im Alter allerdings nach, sodass ältere Menschen weniger in der Lage sind, unwichtige Informationen aus dem Arbeitsgedächtnis zu streichen. Daher nehmen die Forschenden an, dass die Erinnerung an die Unterbrechungsaufgabe bei Älteren noch länger im Gedächtnis präsent ist als bei Jüngeren und so die Bearbeitung der eigentlichen Aufgabe gestört wird. Anhand von EEG-Messungen konnte in der Studie gezeigt werden, dass Signale, die mit der Bearbeitung der primären Aufgabe in Verbindungen stehen, bei älteren Menschen nach einer Unterbrechung deutlich stärker reduziert sind als bei jüngeren.

Die Studie zeigte auch, dass ältere weniger in der Lage waren, die negativen Einflüsse der Ablenkung auf die Auswahl relevanter primärer Aufgabeninformationen zu bewältigen. Es konnte allerdings auch gezeigt werden, dass nicht alle kognitiven Prozesse von Alterungsprozessen betroffen sind. Die beiden Altersgruppen unterschieden sich nicht in der Fähigkeit, neue Informationen bezüglich der Relevanz von bestimmten Gedächtnisinhalten zu nutzen.

Funktionen des Arbeitsgedächtnis in Studie untersucht

In der Studie führten Teilnehmende eine Arbeitsgedächtnisaufgabe durch, während sie häufig mit einer kognitiv wenig oder hoch anspruchsvollen Rechenaufgabe unterbrochen wurden. Dadurch muss die Person Aufmerksamkeitsressourcen auf die Erledigung der Unterbrechungsaufgabe verwenden und anschließend Informationen der unterbrochenen Aufgabe (Primäraufgabe) reaktivieren. In diesem Zusammenhang ist die kurzfristige Speicherung von Informationen im Arbeitsgedächtnis von zentraler Bedeutung.

Originalpublikation
Marlene Rösner, Bianca Zickerick, Melinda Sabo, Daniel Schneider: Aging impairs primary task resumption and attentional control processes following interruptions, Behavioural Brain Research, Volume 430, 2022

 

  VERWEISE  

 

 

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