Habilitation oder Abkürzung? Karrieretypen in der Wissenschaft

Themenkreis Wissenschaft und Forschung

Lehrprofessuren: Der kürzeste Weg ist selten der gerade

Sieben Jahre nach der Promotion auf einem Lehrstuhl auf Lebenszeit – das schaffen in Deutschland vor allem Wissenschaftler*innen, die vom klassischen Muster abweichen. Wer dagegen den üblichen Weg über Habilitation und viele Postdoc-Jahre im heimischen System nimmt, braucht im Schnitt rund 13 Jahre.

Diesen Kontrast hat ein Team des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) herausgearbeitet. Grundlage sind 660 Biografien von Universitätsprofessor*innen, Station für Station nachgezeichnet von der Promotion bis zur ersten Lebenszeitprofessur.

Vier Typen von Laufbahnen

Mit einer Sequenz-Cluster-Analyse – einem Verfahren, das ähnliche Abfolgen von Karrierestationen zu Gruppen bündelt – ließen sich vier Typen unterscheiden. Die traditionelle Laufbahn ist noch immer die häufigste. Eine effiziente Variante kommt mit kürzeren Qualifizierungsjahren aus und verzichtet öfter auf die Habilitation.

Der unkonventionelle Typus, der schnellste von allen, führt etwa über Junior- oder Tenure-Track-Professuren oder schließt längere Jahre im Beruf außerhalb der Universität ein. In dieser Gruppe finden sich anteilig die meisten Frauen. Den vierten Typus bilden Forscher*innen, die einen Großteil ihres Berufslebens im Ausland verbracht haben.

In welche Gruppe eine Karriere fällt, entscheidet sich vor allem an vier Punkten: wie lange es bis zur Professur dauert, ob habilitiert wurde, ob Auslandsstationen dazugehören – und um welches Fach es geht.

Neue Instrumente, alte Strukturen

Juniorprofessur und Tenure Track, nach angelsächsischem Vorbild eingeführt, haben an Gewicht gewonnen, das System aber nicht umgekrempelt.

Nach Einschätzung von Erstautorin Jasmin M. Kizilirmak bleibt der herkömmliche Weg bedeutsam, auch wenn neben ihm inzwischen weitere Pfade bestehen. Co-Autorin Jessica Ordemann weist darauf hin, dass sich solche Typen erst dank des prof*panels empirisch bestimmen ließen, einer seit 2022 laufenden Befragung des DZHW; vollständige Verläufe dieser Art habe es für Deutschland zuvor nicht gegeben. Erschienen ist die Studie in der Fachzeitschrift Quantitative Science Studies.

Bei der sozialen Herkunft endet die Vielfalt allerdings. Wie Claudia Begemann in einem begleitenden DZHW Brief ermittelt hat, sind rund zwei Drittel der Professor*innen in Akademikerfamilien aufgewachsen.


In aller Kürze
Vier Karrieretypen führen zur Lebenszeitprofessur. Am schnellsten geht es abseits der klassischen Route – nach rund sieben statt 13 Jahren. Die soziale Herkunft bleibt dagegen auffallend einheitlich.


  VERWEISE  


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