Berufliche Anerkennung in Deutschland erreicht neue Rekordwerte

Wie Deutschland internationale Fachkräfte anerkennt
Ein Pflegefachmann aus Damaskus, eine Ärztin aus Kairo, ein Elektroniker aus Casablanca – sie alle eint derselbe bürokratische Weg: die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation.
Das BIBB-Anerkennungsmonitoring, das die amtliche Anerkennungsstatistik zu den bundesrechtlich geregelten Berufen auswertet, zeichnet für dieses Verfahren ein Bild wachsender Bedeutung – mit deutlichen Verschiebungen bei Herkunftsländern und Berufsgruppen.
Türkei, Syrien und Ukraine an der Spitze
Die meisten Anträge stützten sich auf Qualifikationen aus der Türkei, mit rund 6.600 Fällen weiterhin das wichtigste Herkunftsland. Dicht dahinter folgten Syrien (rund 4.700 Anträge) und die Ukraine (rund 4.500 Anträge) – beide Länder verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr Zuwächse von jeweils mehr als 30 Prozent.
Noch dynamischer entwickelte sich die Nachfrage aus Ägypten: Mit rund 3.000 Anträgen und einem Plus von 88 Prozent verzeichnete das Land den stärksten relativen Anstieg. Auch aus Marokko kamen mit rund 2.500 Anträgen und einem Zuwachs von 45 Prozent deutlich mehr Anfragen als im Jahr zuvor.
Pflege und Medizin bestimmen das Geschehen
Wie schon in den Jahren zuvor prägten die Heilberufe des Bundes die Statistik. Auf den Beruf der Pflegefachperson – einschließlich Gesundheits- und Krankenpflegerin – entfielen rund 21.500 Anträge, gefolgt von der Ärztin mit rund 12.900 Anträgen. Die Entwicklung verlief dabei uneinheitlich: Während die Antragszahlen bei der Pflegefachperson leicht zurückgingen (minus 4 Prozent), legte die Nachfrage bei den Ärztinnen um 19 Prozent zu.
Besonders kräftig wuchs die Zahl der Anträge bei Apothekerinnen (plus 42 Prozent), Elektronikerinnen für Betriebstechnik (plus 30 Prozent), Köchinnen (plus 26 Prozent), Physiotherapeutinnen (plus 24 Prozent) und Zahnärztinnen (plus 23 Prozent).
Die meisten Verfahren enden erfolgreich
Rund 73.600 Anerkennungsverfahren wurden abgeschlossen. In etwa 32.000 Fällen (44 Prozent) stellten die Behörden volle Gleichwertigkeit fest. Bei weiteren rund 33.100 Verfahren (45 Prozent) wurde eine Ausgleichsmaßnahme angeordnet – betroffen sind reglementierte Berufe, bei denen die volle Gleichwertigkeit erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Maßnahme erteilt wird.
Knapp 7.300 Verfahren (10 Prozent) mündeten in eine teilweise Gleichwertigkeit, ein Ergebnis, das ausschließlich bei nicht reglementierten Berufen möglich ist. Es macht vorhandene Qualifikationen und verbleibende Unterschiede zum deutschen Referenzberuf sichtbar und liefert damit Antragstellenden wie Arbeitgebenden eine Orientierung für Qualifizierungsmaßnahmen oder den passgenauen betrieblichen Einsatz.
Negativ beschiedene Verfahren blieben die Ausnahme: Sie machten weniger als 2 Prozent aus.
Ein wachsendes Instrument der Fachkräftesicherung
Dass der deutsche Arbeitsmarkt auf qualifizierte Fachkräfte aus aller Welt angewiesen ist, gehört längst zum politischen Grundkonsens. Die neuen Rekordwerte bei der beruflichen Anerkennung fügen sich in diese Entwicklung ein.
Seit Jahren steigende Antrags- und Verfahrenszahlen sprechen für ein Instrument, das an Bedeutung gewinnt – gerade für die Integration internationaler Fachkräfte in Bereiche mit besonderem Bedarf wie dem Gesundheitswesen.
Um dieses Potenzial auszuschöpfen, bleibt es wichtig, die laufenden Maßnahmen zur Optimierung der Anerkennungsverfahren fortzuführen und die Prozesse weiterzuentwickeln.
In aller Kürze
Anerkennungsanträge und -verfahren erreichen Rekordwerte. Türkei, Syrien und Ukraine führen bei Herkunftsländern, Pflege und Medizin bei Berufen. Fast 90 Prozent der Verfahren enden positiv.
VERWEISE
- siehe auch: BIBB-Kompetenzzentrum Berufsanerkennung - Anerkennungsmonitoring ...
- vgl.: »Ausländische Berufsabschlüsse: Anerkennungen wachsen langsamer« ...
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