Arbeitgebereinschätzung: KI-Tools schlagen Weiterbildung als Produktivitätstreiber Nummer eins

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf

Deutscher Arbeitsmarkt verliert zur Jahresmitte deutlich an Schwung

Der deutsche Arbeitsmarkt kommt zur Jahresmitte 2026 kaum noch vom Fleck. Das aktuelle Arbeitsmarktbarometer der ManpowerGroup weist für das dritte Quartal einen saisonal bereinigten Netto-Beschäftigungsausblick von nur noch 6 Prozent aus – ein Rückgang um 11 Punkte gegenüber dem Vorquartal und der schwächste Wert seit dem zweiten Quartal 2021.

Im Kreis der 42 untersuchten Länder rutscht Deutschland damit ins untere Feld ab, weit entfernt vom globalen Durchschnitt von 26 Prozent.

Zurückhaltung statt Kündigungswelle

Ein Blick in die Details zeigt: Von einer breiten Entlassungswelle kann keine Rede sein. 45 Prozent der befragten Unternehmen planen für die Monate Juli bis September keine Veränderung der Personalstärke, knapp jedes dritte Unternehmen (30 Prozent) will in kleinem Rahmen weiter aufbauen, 24 Prozent rechnen mit Abbau.

Es ist vor allem die Zurückhaltung bei Neueinstellungen, die den Markt lähmt – Wechsel dauern länger, Einstiegsrollen werden rar, und ausgerechnet Berufseinsteiger:innen und Wiedereinsteiger:innen tun sich schwerer als zuvor.

Faris Becirovic, Country Manager der ManpowerGroup Deutschland, beschreibt die Lage als widersprüchlich: Die konkreten Planungen der Unternehmen offenbarten wachsende Vorsicht, während der Fachkräftemangel unvermindert real bleibe. Wer jetzt seine Recruiting-Prozesse straffe und Qualifizierung ausbaue, könne beim nächsten Aufschwung schneller skalieren, so Becirovic.

Wirtschaftsdruck und unbesetzte Stellen

Unternehmen, die für das dritte Quartal Stellenabbau erwarten, nennen vor allem wirtschaftliche Belastungen (38 Prozent) als Grund. Fast ebenso oft – bei 32 Prozent – werden frei gewordene Stellen wegen Fachkräftemangels schlicht nicht nachbesetzt.

Weitere Faktoren sind rückläufige Nachfrage (26 Prozent), geopolitische Unsicherheit (20 Prozent) sowie Effizienzprogramme und Rollenbündelungen (je 18 Prozent). Automatisierung spielt mit 13 Prozent noch eine untergeordnete Rolle.

KI-Tools schlagen Weiterbildung als Produktivitätstreiber

Aufschlussreich fällt auch der Blick auf die Frage aus, was das Produktivitätswachstum im vergangenen Jahr am stärksten vorangetrieben hat. Arbeitgeber bewerten KI-Tools als wirksamsten Hebel, dicht gefolgt von Lohnerhöhungen.

Weiterbildung landet dagegen nur auf Rang vier – ein bemerkenswerter Befund angesichts des parallel beklagten Fachkräftemangels. Offenbar setzen Unternehmen kurzfristig eher auf Technologie und finanzielle Anreize, um Produktivität zu steigern, als auf den Aufbau von Kompetenzen in der eigenen Belegschaft.

Bau & Immobilien trotzt dem Trend

Branchenübergreifend zeigt sich fast überall ein Rückgang – mit einer Ausnahme: Bau & Immobilien klettert auf einen Ausblick von 24 Prozent, ein Plus von 16 Punkten gegenüber dem Vorjahr und die einzige Branche mit Zuwachs zum Vorquartal. Auch Versorgung & natürliche Ressourcen (18 Prozent) sowie Information & Kommunikation (14 Prozent) liegen im Jahresvergleich deutlich im Plus, büßen aber gegenüber dem Vorquartal kräftig ein.

Am anderen Ende der Skala steht das verarbeitende Gewerbe: Mit einem Ausblick von –13 Prozent verzeichnet die Industrie den schwächsten Wert aller Sektoren – vor einem Jahr lag sie noch bei +18 Prozent.

Auch professionelle, wissenschaftliche & technische Dienstleistungen (4 Prozent), Gastgewerbe (5 Prozent), Handel & Logistik (6 Prozent) und Finanzen & Versicherungen (7 Prozent) kommen kaum vom Fleck. In zwei Sonderauswertungen erweist sich die Automobilbranche mit 24 Prozent als überraschend robust, während Tech & IT Services mit nur 5 Prozent hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Kleinstunternehmen legen zu, Großkonzerne bremsen

Nach Unternehmensgröße zeigt sich ein gespaltenes Bild: Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten sind die einzige Gruppe mit Zuwachs und erreichen 13 Prozent. Firmen mit 1.000 bis 4.999 Mitarbeitenden rutschen dagegen auf –8 Prozent ab, die größten Konzerne mit über 5.000 Beschäftigten kommen nur auf 2 Prozent.

Größere Organisationen drosseln ihre Personalplanung damit deutlich stärker als kleinere Betriebe.


In aller Kürze
Deutschlands Beschäftigungsausblick fällt auf 6 Prozent. KI-Tools gelten als stärkster Produktivitätstreiber, Weiterbildung nur Rang vier. Bau wächst, Industrie schrumpft.


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