Der Gendergap in Deutschlands Startup-Szene

Entrepreneurship

Mehr Gründerinnen in Deutschland: Wege aus dem Gendergap

Die Startup-Welt in Deutschland wird weiterhin von einem deutlichen Gendergap geprägt.

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass strukturelle Barrieren und tradierte Rollenbilder Frauen daran hindern, häufiger den Weg ins Unternehmertum zu finden. Dabei beginnt die Problematik bereits in frühen Lebensphasen und setzt sich bis ins Berufsleben fort.

Frühzeitige Weichenstellung durch Rollenbilder

Bereits in der Jugend und im Studium zeigt sich, dass Frauen seltener den Wunsch verspüren, ein Startup zu gründen. Während zwei Drittel der männlichen Gründer ihre Gründungspläne schon in jungen Jahren entwickeln, liegt der Anteil bei Frauen lediglich bei 43 Prozent.

Gesellschaftliche Erwartungen beeinflussen die Prioritäten: So streben 60 Prozent der Studentinnen einen sicheren Arbeitsplatz an, verglichen mit nur 32 Prozent der männlichen Studierenden. Diese unterschiedlichen Präferenzen spiegeln das geringere Risikobewusstsein wider, das Frauen oft davon abhält, frühzeitig unternehmerisch tätig zu werden.

Berufserfahrung als Schlüssel zur Gründung

Erst im Berufsleben wächst bei vielen Frauen die Motivation zur Gründung eines Unternehmens. Ein Drittel der Gründerinnen entscheidet sich in den ersten Berufsjahren für diesen Schritt, ein weiteres Viertel erst später im Karriereverlauf.

Laut Jennifer Eschweiler, Expertin für Gründungen bei der Bertelsmann Stiftung, liegt dies weniger am fehlenden Interesse als an Rahmenbedingungen, die Frauen erst später ermutigen. Zudem ziehen viele Gründerinnen ihre Motivation aus beruflicher Erfahrung und dem Wunsch, gesellschaftlich etwas zu bewirken.

Kulturwandel und Familienfreundlichkeit als zentrale Hebel

Die Untersuchung verdeutlicht: Ein Kulturwandel ist notwendig. Gründerinnen sehen den Gendergap häufiger als Problem als ihre männlichen Kollegen – 87 Prozent der Frauen erkennen hier eine Herausforderung, während nur die Hälfte der Männer dies so wahrnimmt.

In gemischten Teams steigt das Problembewusstsein der Männer jedoch auf 64 Prozent. Dies verdeutlicht die Bedeutung diverser Netzwerke und offener Strukturen.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum. Die zeitliche Überschneidung von Familiengründung und Unternehmensaufbau stellt für viele Frauen eine große Herausforderung dar. Während 81 Prozent der Gründerinnen dies als zentralen Hebel sehen, stimmen auch 60 Prozent der männlichen Gründer zu.

Fortschritte bei Investments – aber weiterhin Ungleichheit

Obwohl die Zahl der Risikokapital-Finanzierungen für Startups mit weiblicher Beteiligung seit 2017 stark gestiegen ist, fließen noch immer 91 Prozent des Kapitals in rein männliche Teams.

Julia Scheerer, Wirtschaftsexpertin bei der Bertelsmann Stiftung, betont daher die Notwendigkeit gezielter Fördermaßnahmen für weibliche Gründerinnen. Sie sieht es als Gemeinschaftsaufgabe von Politik, Investoren und dem gesamten Startup-Ökosystem, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.

Resumee: Mehr Gründerinnen bedeuten mehr Innovation

Die Studie zeigt klar: Deutschland kann es sich nicht leisten, auf das Potenzial von Frauen zu verzichten. Verena Pausder vom Startup-Verband betont, dass mehr Gründerinnen entscheidend sind, um Innovationen voranzutreiben und wirtschaftliche Dynamik zu entfalten. Ein Kulturwandel sowie strukturelle Veränderungen sind unerlässlich, um den Anteil von Gründerinnen nachhaltig zu erhöhen.


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