Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Bildungsbiografien

NEPS Corona & Bildung

Bildung in Zeiten von Corona: Erfahrungen aus Deutschland

Der fünfte Jahrestag des ersten Corona-Ausbruchs in Deutschland gibt Anlass, die Auswirkungen der Pandemie auf die Bildungsbiografien zu untersuchen.

Das Nationale Bildungspanel (NEPS) hat in seiner Berichtsreihe »NEPS Corona & Bildung« umfangreiche Analysen zu den Auswirkungen der Pandemie auf den Bildungsbereich durchgeführt.

Hier einige zentrale Ergebnisse:

Auswirkungen auf den Bildungssektor

1. Schulschließungen und Fernunterricht
Die Schulschließungen ab März 2020 führten zu einer Umstellung auf Fernunterricht, was sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich brachte. Die NEPS-Studien zeigen, dass Kinder mit hoher Lesekompetenz und Anstrengungsbereitschaft besser mit dem Lernen zu Hause zurechtkommen.

2. Digitalisierungsschub
Die Digitalisierung der Bildung hat sich durch den Lockdown beschleunigt, allerdings nicht für alle gleichermaßen. Einige Gruppen profitierten mehr von digitalen Lernangeboten als andere, was zu einer Verschärfung der digitalen Kluft führte.

3. Mathematische Kompetenzen
Studien des NEPS zeigen, dass es keine statistisch signifikanten Unterschiede in den Kompetenzzuwächsen in Mathematik zwischen Schülerinnen und Schüler gibt, die während der Pandemie unterrichtet wurden, und denen, die ohne Schulschließungen unterrichtet wurden.

Weitere Auswirkungen

Beruf und Alltag
Die Corona-Krise hatte nicht nur Auswirkungen auf das Lernen, sondern auch auf die Arbeitssituation und den Alltag der Menschen. Bildungsungleichheiten spielten eine Rolle bei der Unterstützung von Kindern im Homeschooling.

Gesundheit und Wohlbefinden
Die Pandemie hatte auch Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen, insbesondere älterer Erwachsener.

Zukunftserwartungen und Risikobereitschaft
Die Studien beleuchten auch, wie die Pandemie die Zukunftserwartungen und die Risikobereitschaft der Menschen beeinflusst hat.

Überblick der Berichtsreihe »NEPS Korona & Bildung«

Bericht Nr. 1, 02. September 2020: Corona-bedingte Schulschließungen – …und nun funktioniert alles digital? Wie Eltern mit Kindern in der 8. Klasse die Zeit der Schulschließungen in Deutschland erlebt haben

Durch die temporären Schulschließungen zwischen März und Mai standen Schulen und Lehrkräfte ohne Vorlauf vor der Herausforderung, ausschließlich digitale Wege der Wissensvermittlung zu nutzen. Und auch Eltern mussten unerwartet die Aufgabe übernehmen, das nun eigenständige Lernen ihrer Kinder zu Hause zu unterstützen. Auch wenn die meisten Eltern sich dieser Aufgabe gewachsen fühlten, traten Unterschiede in Abhängigkeit vom Bildungshintergrund zutage. So gaben fast 1/3 der Eltern ohne akademischen Hintergrund an, ihre Kinder schlecht oder gar nicht unterstützen zu können. Zudem hatten rund 13 Prozent der Kinder einen unzureichenden oder gar keinen Zugang zu der für die digitale Lehre notwendigen Technik.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/01

Bericht Nr. 2, 02. September 2020: Erwerbsleben in der Corona-Krise: Welche Rolle spielen Bildungsunterschiede?

Bildungsunterschiede spielten auch im Arbeitsleben während der Zeit der Corona-Beschränkungen eine große Rolle. Unter anderem zeigte sich, dass der Zugang zum Homeoffice stark vom Bildungsniveau abhängt: Je niedriger das Bildungsniveau, desto seltener konnten Erwerbstätige von zuhause aus arbeiten. Junge Erwerbstätige mit niedriger Bildung bildeten hier das Schlusslicht. Dennoch zeigte sich über alle Gruppen hinweg, dass die Corona-Pandemie bestehende Bildungsungleichheiten im Arbeitsleben bereits kurzfristig verstärkt hat. Es ist zu befürchten, dass sich die sozialen Ungleichheiten in Beschäftigungssicherheit und bei den Arbeitsbedingungen auch langfristig verschärfen.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/02

Bericht Nr. 3, 13. Oktober 2020: Kinderbetreuung in der Corona-Krise: Wer betreut, wenn Schulen und Kitas schließen? Wie der berufliche Alltag von erwerbstätigen Eltern die Kinderbetreuung während des Lockdowns beeinflusst hat

Angesichts geschlossener Schulen und Kindertagesstätten standen viele berufstätige Eltern plötzlich vor der Herausforderung, gleichzeitig ihre Kinder zu betreuen und ihrer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Wie haben Eltern das über Monate hinweg organisiert? Die Daten zeigen, dass auch in der Krise vor allem Müttern die zentrale Rolle bei der Betreuung zukam. Bei allen untersuchten Familien betreuten Mütter – auch bei gleicher beruflicher Belastung – ihre Kita- oder Schulkinder während der Pandemie häufiger allein als Väter. Fast jedes dritte Schulkind passte außerdem während der Schulschließung überwiegend auf sich selbst auf.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/03

Bericht Nr. 4, 20. November 2020: Zufriedenheit in unruhigen Zeiten: Welche Rolle die Kommunikation zwischen Eltern und Schulen während der Schulschließungen gespielt hat. Einschätzungen von Eltern zur Unterstützung durch die Schule und zum Lernerfolg ihrer Kinder während des Lockdowns

In der Zeit der Schulschließungen mussten sich Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrkräfte und Eltern auf neue Situationen einstellen. Wie zufrieden waren die Eltern mit der allgemeinen Unterstützung und der Informationspolitik der Schulen, mit den Lernmaterialien für das Homeschooling und welchen Lernzuwachs haben sie bei ihren Kindern wahrgenommen? Der Bericht gibt differenzierte Antworten und zeichnet dabei ein positiveres Bild, als angesichts der damaligen Diskussion über das Homeschooling zu erwarten gewesen wäre. Die generelle Zufriedenheit der Eltern hing vor allem mit der Unterstützung durch die Schule und dem wahrgenommenen Lernerfolg ihrer Kinder zusammen. Bildungshintergrund und Schulformen spielten nur untergeordnete Rollen.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/04

Bericht Nr. 5, 14. Januar 2021: Lernen im Lockdown: Welche Voraussetzungen helfen Schülerinnen und Schülern? Die Bedeutsamkeit der Lesekompetenz, des Interesses an Lerninhalten und der Anstrengungsbereitschaft für die Bewältigung des Lernens zuhause

Im zweiten Lockdown Ende 2020 bis zum Frühjahr 2021 müssten Schülerinnen und Schüler erneut hauptsächlich von zuhause aus Lernen. Durch die im ersten Lockdown mit der Zusatzbefragung gewonnen Daten ließen sich damals bereits Schutzfaktoren identifizieren: Die Auswertungen der Elternbefragungen zeigten, dass die Kinder mit hoher Lesekompetenz und hoher Anstrengungsbereitschaft besser mit dem Lernen zuhause zurechtkamen – das Interesse an den Lerninhalten spielte dagegen eine geringere Rolle für die Motivation zum Lernen. Der Bericht zeigt außerdem, dass Distanzunterricht auch eine Chance bieten kann, das selbstregulierte Lernen zu fördern. Dazu müssen Lehrende verstärkt Methoden nutzen, die individuelle Rückmeldungen erlauben.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/05

Bericht Nr. 6, 11. März 2021: Für wen brachte Corona einen Digitalisierungsschub? Veränderungen in der Nutzung digitaler Technologien während der COVID-19-Pandemie

Wer hat den Digitalisierungsschub durch die Corona-Pandemie mitgemacht und wer geriet ins Hintertreffen? Der sechste Bericht zeigt, welche Berufs- und Bildungsgruppen digitale Technologien und Arbeitsmittel im ersten Lockdown häufiger als vor der Pandemie genutzt haben. Die Auswertung der Daten zeigt aber auch, dass der pandemiebedingte Digitalisierungsschub in der Arbeitswelt nicht alle Beschäftigten erreicht und sogar zu einer neuen digitalen Spaltung der Erwerbsbevölkerung beigetragen hat, die lange über die Pandemie hinaus Bestand haben könnte.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/06

Bericht Nr. 7, 15. Juni 2021: Wer bildet sich in Pandemiezeiten beruflich weiter? Veränderungen in der Nutzung digitaler Lernangebote während der Corona-Krise

Die COVID-19-Pandemie hat nicht nur das Lernen von Kindern verändert, sondern auch das von Erwachsenen. Die berufliche Weiterbildung hat sich in den ersten Monaten der Corona-Pandemie stark gewandelt – digitales selbstgesteuertes Lernen wurde deutlich häufiger als vorher aus beruflichen Gründen genutzt. Von der stärkeren Nutzung digitaler Lernangebote profitierten jedoch nicht alle Beschäftigtengruppen gleich. Die Pandemie scheint die Polarisierung zwischen den Bildungsgruppen nicht verringert, sondern sogar noch verschärft zu haben.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/07

Bericht Nr. 8, 22. Juli 2021: Ältere Erwachsene in der Corona-Krise: Wie wirkte sich die Zeit des ersten Lockdowns auf die Lebenszufriedenheit, Erwartungen und Sorgen von Erwachsenen im höheren Alter im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen aus?

Ältere Erwachsene standen in der Corona-Pandemie immer wieder im Fokus der Aufmerksamkeit. Der Bericht analysiert, differenziert nach Altersgruppen, die Lebenssituation von Erwachsenen während des ersten Lockdowns in Deutschland. Dabei stehen insbesondere die Zufriedenheit und die Zukunftserwartungen von über 65-Jährigen im Fokus. Es zeigt sich: Ältere sind insgesamt nicht stärker belastet und teilten dieselben Sorgen wie Jüngere, insbesondere darüber, dass die Kluft zwischen Arm und Reich weiter wachsen könnte. Hingegen hielten Befragte über 65 Jahre eigene Geldprobleme, eine Einschränkung ihres Lebensstandards oder mögliche finanzielle Notlagen ihrer Angehörigen für deutlich weniger wahrscheinlich als jüngere Befragte.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/08

Bericht Nr. 9, 13. September 2023: Und schon wieder war die Schule dicht: Wie sich die häusliche Lernsituation von Grundschülerinnen und -schülern im ersten und zweiten Lockdown unterscheidet

In den beiden Phasen der Schulschließungen fand das Distanzlernen jeweils unter anderen Vorzeichen statt. Die jeweils nach den Lockdowns durchgeführten Befragungen machten einen Vergleich der Situationen aus der Sicht von Eltern mit Kindern in der 2. bzw. 3. Klasse möglich. Haben sich die Belastungen durch das Zuhauselernen verringert oder verschärft? Welche Rolle spielt die soziale Lage, in der sich Familien befinden? Welche Lernrückstände erwarten Eltern? Die Analyse zeigt unter anderem, dass sozial benachteiligte Familien, aber auch Alleinerziehende und kinderreiche Familien besonders belastet waren und deutlich mehr Unterstützungsangebote benötigen, um den Folgen der Corona-Pandemie entgegenzuwirken.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/09

Bericht Nr. 10, 08. Mai 2024: Geringere Lernzuwächse durch coronabedingte Einschränkungen im Bildungsbereich? Ein Kohortenvergleich zu Entwicklungen in der Sekundarstufe

Haben Schülerinnen und Schüler im Bereich Mathematik weniger gelernt, weil sie von Schulschließungen während der Corona-Jahre 2020 und 2021 betroffen waren? Diese Frage lässt sich anhand eines Vergleichs zweier Jahrgänge, von denen einer die Sekundarstufe mit, der andere ohne Pandemie durchlaufen hat, beantworten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Einschränkungen der Corona-Jahre keinen negativen Effekt auf die Mathematikkompetenzen der untersuchten Jahrgänge hatten und bestätigen damit nicht die oft geäußerten Befürchtungen, dass die Einschränkungen im Schulbereich in der Folge zu erheblichen Einschnitten in den schulischen Leistungen der Jugendlichen geführt haben.

Link zum Bericht: www.lifbi.de/NCB/10

Hintergrund
Das Nationale Bildungspanel (NEPS), das am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) in Bamberg beheimatet ist, besteht aus sieben großen Teilstudien, den sogenannten Startkohorten. Diese umfassen insgesamt mehr als 70.000 getestete und befragte Personen von der Geburt über Ausbildungs- und Erwerbsphase bis hinein in die Nacherwerbsphase sowie 50.000 zusätzlich befragte Personen aus deren Umfeld, etwa Eltern und pädagogisches Fachpersonal. Die Stichproben der Startkohorten wurden repräsentativ für ganz Deutschland gezogen. Die so erhobenen Daten werden anonymisiert und Bildungsforschenden weltweit zugänglich gemacht.

Das NEPS wird getragen von der Expertise eines interdisziplinären Exzellenznetzwerks von Forschungsinstituten, -gruppen und -persönlichkeiten. Geleitet wird das NEPS von Prof. Dr. Cordula Artelt vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg.

Durch die Zusatzbefragung im Mai und Juni 2020 wurden die aktuellen Erlebnisse und Eindrücke der NEPS-Teilnehmenden in der Zeit zwischen dem Beginn der Beschränkungen und den ersten Lockerungen während der Corona-Krise im Jahr 2020 ermittelt und so gemeinsam mit den Längsschnittdaten des NEPS für die Bildungsforschung nutzbar gemacht. Im Frühjahr/Frühsommer 2021 wurden im Rahmen der regulären Erhebung erneut Fragen zum Lockdown im Winter/Frühjahr 2021 gestellt. Die Daten wurden gewichtet und poststratifiziert, um Verzerrungen in der Stichprobe auszugleichen.


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