Drei Hebel für eine KI-feste Lehrkräftebildung

Wenn Maschinen mitentscheiden, muss die Berufsschule nachziehen
Künstliche Intelligenz verändert die Facharbeit in einem Tempo, mit dem die Lehrkräftebildung bislang kaum Schritt hält. Damit berufliche Schulen junge Menschen weiterhin passgenau auf die Arbeitswelt vorbereiten können, muss die Ausbildung ihrer Lehrkräfte grundlegend weiterentwickelt werden.
Zu diesem Schluss kommt das Netzwerk der Berufsschul-Digi-Teams in einem Impulspapier, das der Stifterverband im Oktober 2026 veröffentlicht hat. Es richtet sich vor allem an den Pakt für berufliche Schulen, der sich in seinem zweiten Arbeitszyklus mit KI und Digitalisierung befasst.
Die Sorge der Autor*innen: Was im Betrieb gebraucht wird und was in der Schule erlernbar ist, droht auseinanderzudriften. Lehrkräfte sind deshalb der Dreh- und Angelpunkt. Ohne ihre Kompetenzen, heißt es, könnten selbst Investitionen in Technik ihre Wirkung nicht voll entfalten.
KI als Co-Intelligenz
Zuerst fordern die Hochschullehrenden der gewerblich-technischen Fachrichtungen ein neues Verständnis davon, was Lehrkräfte und Auszubildende können müssen.
KI sei im beruflichen Lernen als eine Art Co-Intelligenz zu begreifen. Im Mittelpunkt stehe die berufliche Urteilskompetenz, also die Fähigkeit, KI-Ergebnisse zu verstehen, zu bewerten und einzuordnen. Sie sei keine Zusatzqualifikation, sondern Teil beruflicher Handlungskompetenz.
Lehrkräfte müssen KI deshalb als Lerngegenstand, als Unterrichtswerkzeug und als Thema kritischer Reflexion behandeln können. Dazu gehören Lern- und Prüfungsformate, die stärker nach Begründungen fragen.
Ein Lernweg ohne Bruchstellen
Zweitens darf die Förderung digitaler Kompetenzen nicht mit dem Studium enden, sondern muss im Vorbereitungsdienst und in der Fortbildung weitergehen. Hochschulen, Studienseminare, Landesinstitute und Schulen sollen dafür eng zusammenarbeiten.
Gerade in technischen Berufen sei digitale Infrastruktur keine Zugabe, sondern Voraussetzung für Ausbildungsqualität. Nicht jede Einrichtung müsse alles selbst vorhalten – vorhandene Systeme sollten aber gemeinsam nutzbar und langfristig finanziert sein.
Offene Lehrpläne als Spielraum
Drittens wollen die Fachleute die gestaltungsoffenen Lernfeldcurricula sichern. Nur so könnten Lehrkräfte technologische Entwicklungen zeitnah aufgreifen. Als Vorbild dient Industrie 4.0: Die damals von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Qualifikationsprofile ließen sich in die bestehenden Lehrpläne einfügen. Ähnlich solle nun mit KI verfahren werden.
Hinter dem Papier steht ein Förderprogramm, das der Stifterverband seit 2024 gemeinsam mit dem Mercedes-Benz-Fonds betreibt. Jährlich erhalten fünf Hochschulteams je 50.000 Euro, um digitalisierungsbezogene Kompetenzen verbindlich im Lehramtsstudium zu verankern.
In aller Kürze
Das Netzwerk der Berufsschul-Digi-Teams fordert, KI verbindlich in allen Phasen der Lehrkräftebildung zu verankern, Kooperationen zu stärken und offene Lernfeldcurricula zu sichern.
VERWEISE
- Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft: »Lehrkräftebildung als Schlüssel zur beruflichen Transformation«. Essen, 2026 ...
- vgl. bitkom: »Lehrkräfte geben sich gute Noten: 2,3 im Fach Digitales« ...
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