Trendmonitor KI in der Bildung 2026

Zwischen Aufbruch und Unsicherheit
Innerhalb eines einzigen Jahres hat sich der Einsatz Künstlicher Intelligenz an deutschen Schulen spürbar beschleunigt – strukturell verankert ist er jedoch noch längst nicht. Das zeigt der zweite »Trendmonitor KI in der Bildung«.
Trendmonitor KI in der Bildung
Jährliche Studie des mmb Instituts und des Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz im Auftrag der Telekom-Stiftung.
Grundlage sind eine fortlaufende Marktrecherche zu mittlerweile 258 KI-Anwendungen sowie eine Online-Befragung von 81 Fachleuten aus Schulpraxis, Wissenschaft, Politik und Anbieterunternehmen.
Markt wächst, USA dominieren weiter
Gegenüber dem Vorjahr sind 51 neue Technologien hinzugekommen, 145 davon sind explizit für den Schulbereich entwickelt worden.
Zwar stammen die meisten Anwendungen weiterhin aus den USA, doch der deutschsprachige Raum holt auf: 77 Angebote kommen inzwischen aus Deutschland, zusammen mit Österreich und der Schweiz stellt der DACH-Raum gut ein Drittel aller erfassten Tools.
Generative Systeme wie Chatbots bleiben mit 62 Prozent der Anwendungen die mit Abstand größte Technologiegruppe, gefolgt von intelligenten Tutoringsystemen.
Entlastung als Hauptmotiv der Lehrkräfte
Auch eine begleitende forsa-Befragung unter Lehrkräften bestätigt: KI ist im Alltag angekommen, wird aber vorsichtig genutzt. Rund ein Fünftel greift täglich oder mehrmals wöchentlich darauf zurück, mehr als die Hälfte fühlt sich dabei jedoch unsicher. Fast zwei Drittel geben an, schlecht darüber informiert zu sein, was rechtlich erlaubt ist.
Im Zentrum der Nutzung steht die Arbeitserleichterung bei der Unterrichtsvorbereitung – nicht die grundlegende Neugestaltung von Unterricht.
Digitale Souveränität als größte Sorge
Deutlich verschoben hat sich die Risikowahrnehmung der Befragten: Erstmals steht die Abhängigkeit von marktführenden, außereuropäischen KI-Unternehmen an der Spitze der Bedenken – noch vor der Sorge um Deskilling und »Skill Skipping«, also den schleichenden Verlust fachlicher Grundkompetenzen.
Entsprechend dringlich bewerten die Expert*innen die Förderung reflexiver KI-Kompetenzen sowie systematische Fortbildungen für Lehrkräfte.
Chinas Gegenmodell
Ein Sonderteil des Trendmonitors blickt nach China, wo KI längst als systemische Infrastruktur begriffen wird: Sprachgesteuerte Smart-Blackboards, ein zentrales »Bildungsgehirn« und eine seit April 2026 verpflichtende KI-Kompetenz für Lehrkräfte prägen dort den Schulalltag. Ländliche Schulen profitieren nach vorliegenden Studien besonders stark von KI-gestütztem Unterricht.
Während Deutschland auf Schulautonomie und behutsame Erprobung setzt, treibt China einen staatlich gesteuerten Umbau voran – zwei Wege, die sich aus Sicht der Studienautor*innen ergänzen könnten.
In aller Kürze
Der Trendmonitor 2026 zeigt: KI-Nutzung an deutschen Schulen wächst rasant, bleibt aber unsicher. Größte Sorge: Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern.
Das könnte Sie auch interessieren...
Die verborgene Lücke: Warum KI-Kurse allein nicht reichen Die Künstliche Intelligenz ist im deutschen Arbeitsalltag angekommen – aber es fehlte etwas entscheidend Wichtiges. Eine neue Befragung des Stifterverbandes unter 1.001 Führungskräften …
Stifterverband öffnet digitalen Campus für Future Skills Wer sich für eine Welt im Wandel rüsten will, hat seit heute eine neue Adresse im Netz: Der Stifterverband hat seinen Future-Skills-Campus freigeschaltet. Die digitale Lernplattform soll …
EU KIDS Act – Brüssel zieht die Altersgrenze Mit dem EU KIDS Act legt die Europäische Kommission einen Vorschlag vor, der den Social-Media-Alltag von Kindern grundlegend neu ordnen soll. Plattformen dürften ihre Dienste Kindern unter 13 Jahren …
Bedienen ist nicht Beherrschen: Grundbildung im digitalen Zeitalter Rezension: Caroline Meyer-Quevedo, »KI und Grundkompetenzen: eine neue Herausforderung für die Erwachsenenbildung«, SVEB, 17. September 2026 Ein Chatbot lässt sich in Sekunden …