KI im Betrieb: Die meisten finden noch keinen Anwendungsfall

Themenkreis KI, Digitalisierung, Digitale Transformation

KI-Zurückhaltung: Nicht Enttäuschung, sondern fehlende Ideen

Ein Werkzeug, mit dem viele noch nichts anzufangen wissen: So lässt sich das Verhältnis zahlreicher Betriebe zur Künstlichen Intelligenz beschreiben. Wer bislang ohne KI arbeitet und auch keine Pläne dafür hat, nennt als Grund vor allem einen – es fehle an sinnvollen Einsatzmöglichkeiten.

Diese Einschätzung teilen knapp neun von zehn Betrieben dieser Gruppe, wie eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf Basis des IAB-Betriebspanels ergibt. Ob das Urteil immer trägt, darf allerdings bezweifelt werden.

Rasanter Aufstieg mit Lücken

Dabei hat die Technik in kurzer Zeit kräftig Fuß gefasst. In der zweiten Jahreshälfte 2025 setzte ein Viertel der Betriebe generative KI ein, zwei Jahre zuvor lag dieser Wert erst bei einem Fünftel davon. Weitere 9 Prozent wollten nachziehen. Für rund zwei Drittel spielte KI hingegen überhaupt keine Rolle.

Die übrigen Bremsklötze treten deutlich seltener auf. Zwischen 30 und 36 Prozent der Nichtnutzer verweisen jeweils auf mangelndes Know-how, fehlendes Personal für die Einführung, nicht passende IT-Systeme, Datenschutz, rechtliche Unklarheiten oder zu hohe Kosten.

Schlechte Erfahrungen fallen dagegen kaum ins Gewicht: Lediglich 7 Prozent haben KI getestet und sind enttäuscht worden.

Der Blick in die Berufsstruktur

Dass kleine Betriebe häufiger keinen Nutzen erkennen als große, überrascht wenig – wo weniger unterschiedliche Aufgaben anfallen, gibt es auch weniger Ansatzpunkte. Bemerkenswerter ist ein anderer Befund. Christian Kagerl, Autor der Analyse, hat geprüft, wie stark die Belegschaften aus Berufen bestehen, in denen Sprachmodelle die Arbeit beschleunigen könnten, ohne an Qualität einzubüßen.

Das Ergebnis: Auch dort, wo dieses Potenzial am größten ist, sehen 85 Prozent der Nichtnutzer keinen Einsatzzweck – kaum weniger als in der Gruppe mit dem geringsten Potenzial (91 Prozent). Ein beträchtlicher Teil der Möglichkeiten bleibt demnach offenbar unentdeckt.

Selbst Branchen fernab des Schreibtischs bieten Chancen. Ein Gerüstbauer etwa kann sich bei Kalkulationen, Rechnungen und der Terminabstimmung helfen lassen, auch wenn die Stangen weiterhin von Hand montiert werden.

Industrie und ältere Betriebe tun sich schwerer

Technische und organisatorische Hürden melden Industriebetriebe häufiger als Dienstleister, junge Betriebe hingegen seltener als alteingesessene. Rechtliche Bedenken sind vor allem im Finanz- und Gesundheitswesen verbreitet.

Das IAB rät, KI im eigenen Betrieb schlicht auszuprobieren – die besten Anwendungen ließen sich kaum von außen festlegen.


In aller Kürze
Fast 90 Prozent der Betriebe ohne KI sehen keinen Anwendungsfall – selbst dort, wo Berufe stark von KI profitieren könnten. Das IAB vermutet ungenutztes Potenzial.


  VERWEISE  


Das könnte Sie auch interessieren...

21.10.2026

Quelle: AutorEin Beitrag aus unserer »Standpunkte«-Reihe von Markus Bockhorni, Hallbergmoos. KI macht Arbeit schneller. Aber wer sorgt dafür, dass Menschen besser werden? Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst vom Experiment zum …

16.10.2026

KI-nahe Berufe trotzen der Krise -  junge Beschäftigte nicht ganz Der befürchtete Kahlschlag bleibt aus, zumindest vorerst. In Berufen, in denen Künstliche Intelligenz viele Aufgaben übernehmen könnte, ist die Beschäftigung in Deutschland bis …

Kita im Wandel: Wenn die Kinder ausbleiben Der Geburtenknick ist in den westdeutschen Kitas angekommen, allerdings nicht überall im gleichen Tempo. 2025 sank die Zahl der betreuten unter Dreijährigen erstmals gegenüber dem Vorjahr, und zwar um …

15.10.2026

Jugendmedienschutz: Bund setzt auf Schutz ab Werk Aus Empfehlungen werden nun Maßnahmen: Die Bundesregierung hat die Eckpunkte zum Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen. Vorgelegt hatte sie Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, …