Der eine Arbeitgeber fürs ganze Leben bleibt die Ausnahme!
Ein Leben, viele Arbeitgeber – die Realität der Erwerbstätigkeit
Die Vorstellung vom Berufsleben mit nur einer Visitenkarte hat sich schon lange erledigt. Wie eine am 11. August 2026 veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, wechseln Beschäftigte im Laufe ihres Erwerbslebens im Schnitt mehrfach den Arbeitgeber – und das Muster folgt dabei einer klaren Lebenskurve.
Junge Beschäftigte zwischen 25 und 34 Jahren arbeiten demnach im Durchschnitt für 2,7 verschiedene Arbeitgeber, ein Wert, der sich in der mittleren Erwerbsphase kaum verändert.
Erst mit Eintritt in die spätere Erwerbsphase wird es ruhiger auf dem Papier: Bei den 50- bis 60-Jährigen sinkt die Zahl der Arbeitgeber auf durchschnittlich 1,8. Wer älter wird, bleibt offenbar eher dort, wo er ist.
Nur wenige bleiben ihrem Arbeitgeber treu
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die mittlere Erwerbsphase, also das Alter zwischen 35 und 49 Jahren. Hier haben weniger als 40 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten durchgängig nur einen einzigen Arbeitgeber. 23 Prozent waren in diesem Zeitraum bei zwei Arbeitgebern tätig, weitere 29 Prozent bei drei bis fünf. Neun Prozent der Beschäftigten bringen es sogar auf sechs oder mehr Arbeitgeber und damit auf einen ausgesprochen unsteten Erwerbsverlauf.
Dana Müller, Leiterin des Forschungsdatenzentrums am IAB, ordnet das Ergebnis historisch ein: Ein Arbeitgeber von der Ausbildung bis zur Rente sei schon immer eher die Ausnahme als die Regel gewesen.
Beschäftigungsdauer wächst mit dem Alter
Neben der reinen Anzahl der Arbeitgeber liefert auch die Dauer der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung Hinweise auf die Stabilität von Erwerbsbiografien.
In der frühen Erwerbsphase liegt der durchschnittliche Anteil der Personen in Beschäftigung bei 59 Prozent. In der mittleren Phase steigt dieser Wert auf 67 Prozent, in der späten Erwerbsphase schließlich auf 73 Prozent. Je weiter das Berufsleben fortschreitet, desto kontinuierlicher verläuft offenbar auch die Erwerbstätigkeit selbst.
Geschlecht und Region prägen das Wechselverhalten
Die Studie fördert zudem deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den Regionen zutage. Unabhängig von der jeweiligen Erwerbsphase wechseln Frauen seltener den Arbeitgeber als Männer. Am wechselfreudigsten zeigen sich Männer in Ostdeutschland, die insgesamt am häufigsten den Betrieb wechseln.
Die Ursachen für einen Arbeitgeberwechsel sind vielfältig und längst nicht immer unfreiwillig. Kündigung oder ein befristeter Vertrag spielen zwar eine Rolle, doch ein Betriebswechsel eröffnet laut IAB-Forscher Philipp vom Berge auch Chancen – etwa auf einen höheren Lohn.
Hintergrund
Grundlage der Analyse ist die Stichprobe der Integrierten Arbeitsmarktbiografien. Sie umfasst Personen, die zwischen 1975 und 2023 mindestens einmal sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt waren, Leistungen nach SGB III oder SGB II bezogen oder als arbeitssuchend gemeldet waren. In die Auswertung flossen dabei ausschließlich Zeiten sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung ein.
In aller Kürze
Nur wenige Beschäftigte bleiben ihrem Arbeitgeber ein ganzes Erwerbsleben treu. Wechsel sind in jungen Jahren häufig, nehmen im Alter ab – Frauen wechseln seltener als Männer.
VERWEISE
- IAB: »Nur ein Arbeitgeber war schon immer die Ausnahme« ...
- siehe auch: »Mehr Bewegung auf dem Arbeitsmarkt: Berufswechsel im Aufwind« ...
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