Blinde Flecken: OECD kritisiert Erfassung des lebenslangen Lernens

Themenkreis Weiterbildung und Lernen

Lernen über die Lebensspanne: OECD schlägt neue Statistik-Architektur vor

Wie lässt sich messen, ob und wie Menschen ihr Leben lang lernen? Die bisherigen Statistiken dazu greifen nach Einschätzung der OECD deutlich zu kurz.

In einem Ende Juli veröffentlichten Konzeptpapier zeichnet die Organisation ein Bild von Datensystemen, die zentrale Bereiche des Lernens übersehen – und liefert zugleich den Entwurf für einen neuen Messrahmen.

Lücken in der bisherigen Erfassung

Die Kritik setzt an vier Punkten an. Erstens erfassten bestehende Systeme meist nur einen begrenzten Altersbereich, ältere Lernende gerieten dabei aus dem Blick. Zweitens fehle es an longitudinalen Daten, die verfolgen, wie sich Lernwege über Jahre hinweg entwickeln.

Drittens richte sich die Messung zu einseitig an Arbeitsmarktergebnissen aus, wodurch andere Lernziele – etwa persönliche Entwicklung oder gesellschaftliche Teilhabe – unterbelichtet blieben. Viertens werde informelles Lernen, das außerhalb von Kursen und Zertifikaten stattfindet, kaum abgebildet.

Ein Rahmen aus drei Säulen

Um diese Lücken zu schließen, schlägt die OECD einen Messrahmen vor, der auf drei miteinander verzahnten Säulen ruht: Nachfrage, Angebot und Koordination:

Die Nachfrageseite bildet Lernbedarfe auf individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene ab. Die Angebotsseite erfasst Lernmöglichkeiten in formaler Bildung, Betrieben, Sozialsystemen und Kommunen. Die Koordinationsebene beschreibt, wie Bedarf und Angebot zueinanderfinden.

Ergänzt wird das Modell durch eine zweidimensionale Betrachtung von Formalisierungs- und Digitalisierungsgrad des Lernens – ein Ansatz, der hybride und neu entstehende Lernformen erstmals systematisch erfassbar machen soll.

Konkrete Schritte für die Statistik

Aus dem Konzept leitet die OECD praktische Konsequenzen ab. Gefordert werden verbesserte Erhebungen, der Aufbau longitudinaler Datenverknüpfungen, die stärkere Einbindung administrativer Daten sowie Skills-Pässe, die individuelle Lernbiografien dokumentieren. Hinzu kommt der Einsatz fortgeschrittener Analyseverfahren, um aus bislang getrennten Datenquellen ein zusammenhängendes Bild zu gewinnen.

Adressiert sind damit Bildungspolitik ebenso wie amtliche Statistik – mit dem Ziel, Politikgestaltung und Evaluation im Bereich des lebenslangen Lernens auf eine belastbarere Datenbasis zu stellen.


In aller Kürze
Die OECD kritisiert lückenhafte Daten zum lebenslangen Lernen und schlägt einen Messrahmen aus Nachfrage, Angebot und Koordination vor – inklusive Skills-Pässen und longitudinaler Datenverknüpfung.


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