Autonomie am Arbeitsplatz treibt KI-Nutzung stärker als Bildung

Studie zu generativer KI und Autonomie am Arbeitsplatz
Generative KI hat in wissensintensiven Berufen längst den Sprung vom Experiment zum Arbeitsalltag geschafft – allerdings nicht überall gleichermaßen.
Wer bei der Arbeit selbst entscheiden kann, wie er seine Ziele erreicht, nutzt deutlich häufiger generative KI. Das zeigt eine neue Studie zweier Forscher des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Hochschule Bielefeld, erschienen in der »Zeitschrift für Arbeitswissenschaft«.
Grundlage ist die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 mit 20.006 befragten Erwerbstätigen.
Im Fokus steht die Berufsgruppe der Unternehmensorganisation und -strategie – Fachleute für Prozessanalyse, Planung und betriebliche Optimierung. In dieser wissensintensiven Gruppe setzen 37,3 Prozent generative KI ein, in der gesamten Erwerbsbevölkerung nur 20,3 Prozent. Die meisten sind noch Neulinge: Rund zwei Drittel nutzen die Werkzeuge erst seit maximal zwei Jahren.
Autonomie als stärkster Treiber
Mehrere Regressionsmodelle sollten klären, welche Arbeitsbedingungen mit der Nutzung zusammenhängen. Am robustesten erwies sich die berufliche Autonomie: Wer selbst mitbestimmen kann, was er erreichen soll, greift signifikant häufiger zu KI-Werkzeugen – ein Effekt, der auch bei zusätzlicher Berücksichtigung von Bildung, Alter oder Tätigkeitsfeldern bestehen blieb.
Vorgeschriebene Abläufe bremsen
Beschäftigte mit stark reglementierten Arbeitsabläufen nutzten generative KI seltener. War die Arbeitsdurchführung bis ins Detail vorgeschrieben, sank die Nutzungswahrscheinlichkeit messbar.
Wer dagegen regelmäßig eigene Wissenslücken erkennen und schließen musste, griff überdurchschnittlich oft zu KI-Anwendungen – ein Hinweis, dass generative KI besonders dort Fuß fasst, wo eigenständig Lösungen erarbeitet werden müssen.
Bildung verliert an Erklärkraft
Anfangs zeigte sich noch ein deutlicher Bildungseffekt: Akademiker nutzten KI-Anwendungen häufiger. Sobald Autonomie und Arbeitsanforderungen berücksichtigt wurden, verlor jedoch der Hochschulabschluss seine Bedeutung. Auch eine Führungsposition machte am Ende keinen Unterschied. Entscheidend war weniger der formale Status als die konkrete Ausgestaltung der Arbeit.
Die Autoren verweisen zur Erklärung auf die Selbstbestimmungstheorie, wonach Autonomie ein psychologisches Grundbedürfnis ist, das Motivation und Eigeninitiative fördert. Beschäftigte mit größeren Handlungsspielräumen probieren neue Werkzeuge demnach eher eigenständig aus.
Da die Daten aus einer Querschnittsbefragung stammen, lassen sich daraus keine kausalen Schlüsse ziehen. Die Autoren plädieren für künftige längsschnittliche Studien.
In aller Kürze
Wer bei der Arbeit mitbestimmen kann, nutzt eher generative KI. Autonomie zählt mehr als Führungsposition – Studie von BIBB und HSBI zur Erwerbstätigenbefragung 2024.Wer bei der Arbeit mitbestimmen kann, nutzt eher generative KI. Autonomie zählt mehr als Führungsposition – Studie von BIBB und HSBI zur Erwerbstätigenbefragung 2024.
VERWEISE
Das könnte Sie auch interessieren...
Digitale Arbeit zwischen Autonomie und Arbeitsverdichtung Kaum ein Arbeitsplatz kommt heute noch ohne Bildschirm aus. PC, Smartphone oder Tablet gehören für die meisten Beschäftigten in Deutschland längst zum festen Handwerkszeug – mit spürbaren …
Nur ein Tag ohne Smartphone: Digital Detox bleibt meist kurz Handy aus, Buch auf: Für gut jeden fünften Menschen in Deutschland gehört dieser Sommer der bewussten Funkstille. Nach einer repräsentativen Erhebung im Auftrag des Digitalverbands …
KI-Euphorie und Schulungslücke Kaum ein Thema beschäftigt Personalverantwortliche derzeit so sehr wie der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Laut dem internationalen Barometer »Transformations, Skills, and Learning« der Cegos-Gruppe stufen 68 …
KI-Transparenzpflichten: Seit 2. August greifen neue Regeln des AI Acts Der AI Act rückt in eine neue Phase seiner Umsetzung vor. Seit Monatsbeginn werden weitere Bestimmungen der europäischen KI-Verordnung rechtsverbindlich – diesmal rücken vor …