Frauen, Fächerwahl und die Grenzen der Resilienz

Themenkreis Frauen in Beruf und Karriere

Ausgrenzung trifft härter, wo man sie nicht erwartet

Frauen trauen sich seltener zu, ihr Studium erfolgreich abzuschließen als Männer – das ist keine neue Erkenntnis. Überraschend ist jedoch, wo genau Diskriminierungserfahrungen dieses Selbstvertrauen am stärksten untergraben: nicht in männerdominierten Fächern wie Ingenieurwissenschaften, sondern ausgerechnet in weiblich geprägten Studiengängen.

Zu diesem Ergebnis kommen Antje Stefani und Isabelle Schiffer-Fiedler in einer aktuellen Studie, die auf Daten von 9.512 Studierenden aus der bundesweiten Studierendenbefragung SiD basiert.

Der Befund im Detail

Frauen schätzen ihre Erfolgsaussichten im Schnitt fünf Prozentpunkte niedriger ein als Männer – selbst wenn Fachrichtung und andere Faktoren berücksichtigt werden. Ein Teil dieser Lücke lässt sich auf Diskriminierungserfahrungen zurückführen, die Frauen deutlich häufiger machen als Männer.

Besonders relevant sind dabei subtile, relationale Formen wie soziale Ausgrenzung oder abwertende Kommentare zur eigenen Leistung. Sie erklären rund vier Prozent der Geschlechterlücke, während offene Diskriminierung – etwa Beleidigungen oder sexualisierte Übergriffe – kaum ins Gewicht fällt.

Am häufigsten berichten Frauen in männerdominierten Fächern von Diskriminierung: 49 Prozent geben relationale, 29 Prozent offene Erfahrungen an. In weiblich dominierten Fächern liegen die Werte mit 37 beziehungsweise 19 Prozent niedriger. Bei Männern unterscheiden sich die Zahlen kaum nach Fachrichtung.

Das Paradox: Wo die Zahlen hoch sind, wirkt sich Diskriminierung am wenigsten aus

Ausgerechnet dort, wo Diskriminierung am häufigsten vorkommt, zeigt sie keinen messbaren Effekt auf die Erfolgserwartungen der betroffenen Frauen. In männerdominierten und gemischten Fächern bleibt das akademische Selbstvertrauen trotz hoher Diskriminierungsraten stabil. Erst in weiblich geprägten Fächern wie den Geisteswissenschaften sinkt das Vertrauen in den eigenen Studienerfolg spürbar, sobald relationale Diskriminierung erlebt wird.

Die Autorinnen vermuten dahinter unterschiedliche Bewältigungsmuster. Frauen, die sich bewusst für ein männerdominiertes Fach entscheiden, rechnen offenbar von vornherein mit Widerständen und entwickeln entsprechende Strategien. In vermeintlich unterstützenden, weiblich geprägten Umfeldern hingegen trifft Ausgrenzung unvorbereitet – und wiegt psychologisch schwerer, weil sie den Erwartungen an das Fachklima widerspricht.

Konsequenzen für die Praxis

Die Studie mahnt, Präventionsprogramme gegen Diskriminierung nicht länger nur auf klassische MINT-Fächer zu konzentrieren. Auch wenn das Selbstvertrauen in männerdominierten Fächern robust bleibt, bedeuten die hohen Diskriminierungsraten dort ein ernstzunehmendes Problem für Gesundheit, Studienzufriedenheit und Verbleib im Fach.

Zugleich zeigt sich: Wer Frauen in der Breite stärken will, muss subtile Ausgrenzung auch dort ernst nehmen, wo man sie am wenigsten vermutet.


In aller Kürze
Diskriminierung mindert Frauen im Studium das Zutrauen in den eigenen Erfolg – am stärksten aber nicht in männerdominierten, sondern in weiblich geprägten Fächern, wo Ausgrenzung unerwartet trifft.


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