Zwei Jahrhunderte Bildungsinvestitionen: Eine historische Analyse

Themenkreis Wissenschaft und Forschung (Symbolbild)Bildungserfolg weiterhin stark von geografischer Herkunft geprägt

In einer aktuellen Untersuchung unter Beteiligung des ZEW wurde die globale Entwicklung der Bildungsausgaben und deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Produktivität über einen Zeitraum von zwei Jahrhunderten analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Investitionen in das Humankapital – worunter die Summe der Fähigkeiten, Kenntnisse und der Gesundheit einer Bevölkerung zu verstehen ist – entscheidend für das wirtschaftliche Wachstum sind. Insbesondere staatliche Bildungsausgaben erzielen demnach hohe Renditen von rund 10 Prozent und wirken in wirtschaftlich schwächeren Regionen besonders stark.

Globale Ungleichheit bei Bildungsinvestitionen

Trotz einer weltweit steigenden Tendenz bei den öffentlichen Ausgaben bleibt die Kluft zwischen den Weltregionen massiv. In Nordamerika und Europa fließen signifikant mehr Mittel in das Bildungssystem als in Ländern des globalen Südens. Beispielsweise betragen die Bildungsausgaben pro Person im schulpflichtigen Alter in Subsahara-Afrika aktuell lediglich etwa 3 Prozent des Niveaus in Europa.

Diese strukturelle Benachteiligung führt dazu, dass die Produktivitätsunterschiede zwischen den Kontinenten verfestigt werden.

Pfad zur globalen Produktivitätsangleichung

Die Analyse entwirft Szenarien für die Zukunft bis zum Jahr 2100. Eine Angleichung der weltweiten Produktivität sei nur dann möglich, wenn die Investitionen in Bildung und Gesundheit massiv ausgeweitet würden.

In einem »globalen Konvergenzszenario« müssten die Ausgaben für Humankapital weltweit auf etwa 35 bis 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen. Dies würde insbesondere in ärmeren Ländern ein Produktivitätswachstum ermöglichen, das weit über den bisherigen Trends liegt. Ohne diese strukturelle Neuausrichtung werde sich die Schere zwischen reichen und armen Regionen hingegen kaum schließen.

Bedeutung für die Bildungspolitik

Die Studie macht deutlich, dass Bildungserfolg und ökonomische Entwicklung untrennbar mit den staatlichen Rahmenbedingungen verknüpft sind. Die soziale Herkunft und der geografische Geburtsort bestimmen weiterhin maßgeblich die Lebenschancen.

Eine verstärkte Förderung öffentlicher Bildungssysteme wird daher als zentrales Instrument angesehen, um soziale Disparitäten – also die Ungleichheit von Lebensbedingungen und Chancen – abzubauen und globale Gerechtigkeit zu fördern.

Wissenschaftliche Ansprechpartner
Li Yang, PhD
Wissenschaftler in der ZEW-Forschungsgruppe »Ungleichheit und Verteilungspolitik«
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