Projekt TyMin: Neues Verfahren zur Messung von Lehrerüberzeugungen

Themenkreis Wissenschaft und Forschung (Symbolbild)

Von der Theorie zur Statistik: Implizites Lehrerwissen messbar machen

Die wissenschaftliche Erfassung pädagogischer Grundhaltungen bei Lehrkräften in den Geisteswissenschaften steht im Zentrum eines neuen Forschungsvorhabens.

Das Projekt mit dem Titel »TyMin« zielt darauf ab, ein innovatives Messinstrument zu entwickeln, um individuelle Vorstellungen über die Beschaffenheit von Wissen und die Gestaltung von Lernprozessen systematisch zu analysieren. Damit soll eine Forschungslücke geschlossen werden, die im Vergleich zu naturwissenschaftlichen Fachbereichen bislang bestand.

Erfassung epistemologischer Überzeugungen

Im Fokus der Untersuchung stehen die sogenannten epistemologischen Überzeugungen. Dieser Fachbegriff bezeichnet die subjektiven Ansichten von Lehrkräften darüber, was Wissen ausmacht und wie es erworben wird. Während in den Naturwissenschaften oft eindeutige Fakten dominieren, zeichnen sich Fächer wie Deutsch, Geschichte oder Religion durch eine hohe Mehrdeutigkeit und verschiedene Interpretationsspielräume aus.

Das Projekt untersucht, wie diese fachspezifischen Besonderheiten das unterrichtliche Handeln beeinflussen.

Methodischer Transfer von qualitativer zu quantitativer Forschung

Das Vorhaben ist eine Kooperation zwischen dem Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Es basiert auf Vorarbeiten, in denen durch Tiefeninterviews drei Idealtypen von Lehrkräften identifiziert wurden. Diese unterscheiden sich grundlegend in ihrem Umgang mit verschiedenen Perspektiven im Unterricht.

Die zentrale Aufgabe besteht nun darin, diese qualitativen Erkenntnisse in ein quantitatives, also zahlenmäßig messbares Instrument zu überführen. Dabei müsse die Herausforderung bewältigt werden, implizites Wissen – also Überzeugungen, die das Handeln unbewusst steuern – in standardisierte Fragebögen zu übersetzen. Das Vorhaben wird über einen Zeitraum von drei Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Impulse für die Professionalisierung der Lehrkräftebildung

Die Entwicklung eines standardisierten Messverfahrens ermöglicht es künftig, die Verteilung dieser Überzeugungen großflächig zu untersuchen. Dadurch lassen sich statistische Zusammenhänge mit Merkmalen wie der Berufserfahrung oder der gewählten Schulform herstellen.

Langfristiges Ziel ist eine evidenzbasierte Weiterentwicklung der Lehrkräfteausbildung. Ein tieferes Verständnis der pädagogischen Grundhaltungen trägt dazu bei, die Professionalität in der geisteswissenschaftlichen Domäne gezielt zu fördern und die Qualität des Unterrichts zu sichern. 


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