Neue Rahmenlehrpläne für 22 Ausbildungsberufe

Themenkreis Arbeitswelt und Beruf

Bauwirtschaft rüstet sich für den Wandel

Wenn in diesen Wochen das neue Schuljahr an Deutschlands Berufsschulen beginnt, lernen Auszubildende in 22 Berufen nach überarbeiteten Rahmenlehrplänen.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) bzw. die Bildungsministerkonferenz (BMK) hat die Lehrpläne für den berufsbezogenen Unterricht gemeinsam mit Fachleuten aus Berufsschulen in allen 16 Ländern grundlegend modernisiert. Im Zentrum stehen nachhaltiges Bauen, digitale Bauplanung, moderne Mobilitätsdienstleistungen und die Fertigung präziser Glasprodukte.

Den größten Anteil an der Reform haben mit 19 Berufen die Bauwirtschaft betreffende Ausbildungen in den Bereichen Hoch-, Aus- und Tiefbau – von Maurerin und Maurer über Zimmerin und Zimmerer bis zu Gleisbauerin und Gleisbauer.

Ergänzt wird die Liste um drei weitere Berufe: den bautechnischen Konstrukteur beziehungsweise die bautechnische Konstrukteurin, den Kaufmann beziehungsweise die Kauffrau für Mobilität und Verkehrsservice sowie den Verfahrensmechaniker beziehungsweise die Verfahrensmechanikerin Glastechnik.

Zweistufiges System schafft Durchlässigkeit

Für die Bauberufe wurde eine neue Struktur eingeführt: In jedem der drei Bereiche gibt es künftig eine zweijährige Facharbeiterqualifikation sowie mehrere dreijährige Ausbildungsberufe. Wer die Abschlussprüfung im zweijährigen Beruf besteht, kann direkt ins dritte Ausbildungsjahr eines dreijährigen Berufs wechseln. Im ersten Lehrjahr sollen die Auszubildenden zudem gemeinsam beschult werden können. Damit reagiert die Neuordnung auf gestiegene Anforderungen an Umwelt-, Verbraucher- und Klimaschutz ebenso wie auf den technischen Fortschritt am Bau.

Deutlich wird der digitale Wandel besonders beim bautechnischen Konstrukteur: Die Einführung des Building Information Modeling (BIM), bei dem alle Beteiligten einer Baumaßnahme an einem gemeinsamen digitalen Modell arbeiten, verlangt neue Fähigkeiten in Kommunikation und Datenverarbeitung. Der bisherige Bauzeichner wird deshalb zur bautechnischen Konstrukteurin beziehungsweise zum bautechnischen Konstrukteur – ein Namenswechsel, der die veränderte Tätigkeit sichtbar macht.

Auch im Nahverkehr hat sich das Berufsbild gewandelt: Aus dem Kaufmann beziehungsweise der Kauffrau für Verkehrsservice wird der Kaufmann beziehungsweise die Kauffrau für Mobilität und Verkehrsservice. Eingeflossen sind Digitalisierung, neue Mobilitätsangebote sowie höhere Erwartungen an Beratung und Kommunikation – dazu die wachsende Internationalität und Vielfalt der Branche. In der Glastechnik wiederum rückt die moderne Steuerung von Produktionsanlagen sowie die Herstellung hochwertiger Glasprodukte stärker in den Ausbildungsfokus.

Fachkräfte für eine Arbeitswelt im Umbruch

Jährlich starten rund eine halbe Million junge Menschen in Deutschland eine duale Berufsausbildung. Die digitale Transformation von Arbeits- und Geschäftsprozessen verändert deren Kompetenzanforderungen spürbar, während Ressourceneffizienz und nachhaltiges Wirtschaften an Gewicht gewinnen.

BMK-Präsidentin Anna Stolz betonte in einer Stellungsnahme, eine moderne Berufsausbildung verbinde bewährtes Fachwissen mit neuen Technologien; mit den überarbeiteten Rahmenlehrplänen würden digitale Kompetenzen, nachhaltiges Handeln und moderne Arbeitsprozesse gestärkt. Eine starke berufliche Bildung nütze allen Seiten, so Stolz weiter: jungen Menschen mit guten Chancen, Betrieben mit qualifizierten Fachkräften und dem Land mit wirtschaftlicher Stärke.

Grundlage der Reform ist ein seit 1972 etabliertes Verfahren, nach dem die KMK-Rahmenlehrpläne mit den neuen Ausbildungsordnungen des Bundes abgestimmt werden. Die überarbeiteten Rahmenlehrpläne stehen bereits online im Downloadbereich der KMK-Webseite zur Verfügung.


In aller Kürze
Die KMK hat die Rahmenlehrpläne für 22 Ausbildungsberufe erneuert – Schwerpunkt Bauwirtschaft. Neu sind digitale Kompetenzen wie BIM, mehr Klimaschutz und ein durchlässigeres zweistufiges Ausbildungssystem im Bau.


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