Exzellenz-Erwartungen von Universitäten belasten Studierende nicht gleichermaßen

Unabhängig von ihrem offiziellen Status betonen zunehmend viele Universitäten deutschlandweit ihre »Exzellenz«. Auch von den Studierenden erwarten die Hochschulen, »exzellente« Leistungen zu erbringen. Mit dem aus diesem Druck resultierenden Stress beschäftigten sich zwei jetzt veröffentlichte Studien des Tübinger Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM).
Die Leistungsgesellschaft macht auch vor dem Hörsaal nicht halt und nicht mehr nur Elite-Universitäten heben neben ihrem einzigartigen Ruf gerade auch die herausragenden Ergebnisse ihrer Angehörigen hervor. Doch wie wirkt sich diese wachsende Betonung von »Exzellenz« auf die Studierenden aus und was passiert, wenn Universitäten die Erwartung von herausragender Leistung unmittelbar an Studierende weitergeben? Diesen Fragen ging Dr. Annika Scholl vom Tübinger Leibniz-Institut für Wissensmedien mit ihrer Arbeitsgruppe Soziale Prozesse nach. In zwei Studien befragte das Forschungsteam hierzu rund 500 Studierende einer deutschen Universität.
Hier zeigte sich: Je mehr Exzellenzerwartungen auf Seiten der Studierenden von ihrer Universität wahrgenommen wurden, desto mehr momentanen Stress empfinden sie. Sie waren also gereizter und berichteten mehr von Symptomen wie Herzrasen, Kopfschmerzen oder Angst. Zudem fragte das Team um Dr. Scholl die Studierenden auch, wie sehr sie sich zur Universität zugehörig fühlten. Hierbei zeigte sich, dass der empfundene Leistungsdruck durch Exzellenzerwartungen offenbar stark von der individuellen Identifikation mit der Universität abhängt. »Das Zugehörigkeitsgefühl zur Universität scheint als eine Art »Stresspuffer« zwischen den hohen Leistungserwartungen der Universität und dem Stress der Studierenden zu wirken«, erklärt Dr. Annika Scholl.
Für Universitäten kann dies bedeuten, den Fokus weniger auf die Betonung von herausragenden Leistungen der Studierenden zu legen (um erhöhten Stress zu vermeiden), oder aber sicherzustellen, dass sich die Studierenden ausreichend zur Universität zugehörig fühlen und mit den dort kommunizierten Erwartungen auch identifizieren können. Die längerfristigen Auswirkungen – auch über den Universitätskontext hinaus – beforschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuell in weiteren Studien.
Bibliographie
Scholl, A., Sassenberg, K., & Pfattheicher, S. (in press). Pressured to be excellent? Social identification prevents negative affect from high university excellence norms. Journal of Experimental Social Psychology.
VERWEISE
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