Die doppelte Lohnlücke: Ost-West und Mann-Frau im Vergleich

Themenkreis Frauen in Beruf und Karriere

Ost-West-Lohnlücke schrumpft langsamer als der Geschlechterunterschied

Die Bundesregierung hat auf eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag zu Entgeltunterschieden zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen Männern und Frauen geantwortet.

Die Zahlen für 2025 zeigen: Beide Lücken bestehen weiterhin, verschieben sich aber unterschiedlich schnell – und sie überlagern sich auf bemerkenswerte Weise.

Geschlechterlücke bleibt im Westen größer als im Osten

Bei sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten der Kerngruppe lag der Medianentgeltunterschied zwischen Männern und Frauen bundesweit 2025 bei 309 Euro beziehungsweise 8 Prozent.

In Westdeutschland fiel die Lücke mit 398 Euro oder 10 Prozent deutlich größer aus. In Ostdeutschland verdienten Frauen dagegen im Median sogar 144 Euro beziehungsweise 4 Prozent mehr als Männer – ein Effekt, der sich vor allem aus der ostdeutschen Erwerbsstruktur erklärt, in der Frauen häufiger in Vollzeit arbeiten und Branchenunterschiede geringer ausfallen.

Ost-West-Gefälle bleibt bei Männern besonders ausgeprägt

Deutlicher als die Geschlechterlücke fällt weiterhin das Ost-West-Gefälle aus. Unter vollzeitbeschäftigten Männern lag der Unterschied zwischen West und Ost bei 746 Euro oder 20 Prozent, unter Frauen bei 204 Euro oder 5 Prozent.

Ein westdeutscher Mann verdiente im Median damit 602 Euro beziehungsweise 16 Prozent mehr als eine ostdeutsche Frau – die größte Differenz unter allen betrachteten Gruppenkombinationen.

Wer welche Schwelle knackt

Aufschlussreich ist auch der Blick auf Verteilungen: 42 Prozent der vollzeitbeschäftigten Frauen bundesweit erzielten Ende 2025 ein Entgelt, das über dem bundesweiten Männer-Median von 4.328 Euro lag.

Von den Fachkräften in Ostdeutschland verdienten dagegen 68 Prozent weniger als der westdeutsche Fachkräfte-Median, in 20 von 79 Wirtschaftsabteilungen lagen ostdeutsche Fachkräfte sogar unter dem Niveau westdeutscher Helfer.

Regionale Spannweite bleibt groß

Auf Kreisebene reichte die Spanne der Medianentgelte 2025 von 6.083 Euro im bayerischen Erlangen bis 3.113 Euro im thüringischen Saale-Orla-Kreis – ein Unterschied von 2.970 Euro oder 49 Prozent. Bei den Bundesländern lag Hamburg mit 4.768 Euro vorn, Mecklenburg-Vorpommern mit 3.497 Euro am unteren Ende.

Maßnahmen der Bundesregierung

Die Bundesregierung verweist auf mehrere Instrumente zur Angleichung: die Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur, das seit Mai 2026 geltende Bundestariftreuegesetz sowie den im Juli 2026 beschlossenen Nationalen Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen.

Auch der gesetzliche Mindestlohn, der seit Januar 2026 bei 13,90 Euro liegt und 2027 auf 14,60 Euro steigt, soll die Angleichung weiter unterstützen, da Beschäftigte in Ostdeutschland überproportional davon profitieren.


In aller Kürze
Die Ost-West-Lohnlücke bleibt größer als die Geschlechterlücke; in Ostdeutschland verdienen Frauen im Median sogar mehr als Männer, während westdeutsche Männer und ostdeutsche Frauen am weitesten auseinanderliegen.


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