Kaum Fortschritt seit 2008: Frauen in Landesparlamenten

Frauenanteil in Parlamenten wächst weiter nur im Trippelschritt
Frauen sind in den Parlamenten der deutschen Bundesländer im Schnitt zu 33,4 Prozent vertreten. Zum Stichtag 1. September 2026 meldet das Statistische Bundesamt einen leichten Anstieg um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
Den Ausschlag gab vor allem die Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2026, bei der anteilig mehr Frauen ins Parlament einzogen als zuvor. Gegenläufig verlief es in Rheinland-Pfalz: Dort sank der Frauenanteil im Landtag nach der ebenfalls im März 2026 abgehaltenen Wahl leicht.
Kaum Bewegung seit fast zwei Jahrzehnten
Der aktuelle Wert wirkt zunächst wie ein Fortschritt, fällt bei näherem Hinsehen aber bescheiden aus.
Als der Gleichstellungsatlas des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Zahlen 2008 erstmals veröffentlichte, lag der Frauenanteil in den Länderparlamenten bereits bei 32,3 Prozent – nur einen Prozentpunkt niedriger als heute. Einzelne Landtagswahlen verschieben den bundesweiten Schnitt zwar kurzfristig, an der grundsätzlichen Schieflage ändert das jedoch wenig.
Deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern
Wie ungleich die Repräsentanz von Frauen verteilt ist, zeigt der Ländervergleich. Am niedrigsten fällt der Frauenanteil im Bayerischen Landtag mit 24,6 Prozent aus, gefolgt von Sachsen mit 27,5 und Sachsen-Anhalt mit 27,8 Prozent. Einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis am nächsten kommt Hamburg mit 48,8 Prozent, dicht gefolgt von Bremen mit 42,5 Prozent sowie Schleswig-Holstein und Berlin mit jeweils 37,7 Prozent.
Zwischen Spitzenreiter und Schlusslicht liegen damit mehr als 24 Prozentpunkte – ein Abstand, der eher auf unterschiedliche politische Kulturen als auf Zufall hindeutet.
Bundestag knapp vorn, Kommunen weiter zurück
Der Bundestag schneidet mit 32,4 Prozent nur unwesentlich besser ab als die Länderparlamente, wobei dieser Wert seinerseits 2,4 Prozentpunkte unter dem Ergebnis der vorangegangenen Bundestagswahl liegt.
Am schwächsten ausgeprägt ist die Repräsentanz von Frauen traditionell auf kommunaler Ebene. In den Kreistagen der Landkreise sowie in den Stadträten der Stadtkreise und kreisfreien Städte liegt der Frauenanteil im Schnitt bei 30,7 Prozent, ein Plus von 0,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
Auch hier zeigt der Blick zurück, wie langsam sich etwas bewegt: 2008 waren erst 25,6 Prozent der kommunalen Mandate von Frauen besetzt.
Strukturen entscheiden mit
Die Daten legen nahe, dass strukturelle Faktoren – Wahlrecht, Listenaufstellung, parteiinterne Rekrutierung – für die Geschlechterverteilung in Parlamenten mindestens so wichtig sind wie gesellschaftliche Einstellungen.
Parteien mit paritätischen Listenregeln schneiden in den Ländervergleichen erkennbar besser ab, während wahlkreislastige Systeme mit vielen Direktmandaten tendenziell männlich dominiert bleiben. Solange sich an diesen Mechanismen wenig ändert, dürfte der bundesweite Durchschnitt wohl weiter nur im Trippelschritt wachsen.
In aller Kürze
Frauenanteil in Landesparlamenten steigt auf 33,4 % – nur leicht mehr als 2008. Bayern (24,6 %) bildet das Schlusslicht, Hamburg (48,8 %) die Spitze. Kommunen bleiben mit 30,7 % zurück.
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